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"Kein Grund zu jammern"

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Europas größter privater Autohändler ist auch für 2012 optimistisch.


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Wien/Wolfsburg. Zum Ende seiner langen Karriere ist Wolf-Dieter Hellmaier (68) locker wie nie: Der in den Ruhestand tretende Vorstandssprecher der Salzburger Porsche Holding - heuer im März für 3,3 Milliarden Euro von den Familien Porsche und Piëch an den VW-Konzern verkauft - übergibt seinem Nachfolger, dem bisherigen VW-Europa-Vertriebschef Alain Favey, ein Rekordergebnis - und gute Prognosen. Die Porsche Holding - mit heuer 14 Milliarden Euro Umsatz und 21.400 Mitarbeitern, davon fast 6000 in Österreich der größte private Autohändler in Europa - ist trotz gedämpfter Konjunkturprognosen optimistisch auch für das kommende Jahr: "Für 2012 spüren wir im aktuellen Auftragseingang nichts vom Krisengejammere", sagte Hellmaier am Dienstag vor der Presse in Wien.

Bis November steigerten die VW-Konzernmarken heuer ihren Anteil am Pkw-Neuwagenmarkt in Österreich von 32,4 auf 34,0 Prozent - wobei alle vier Marken unter den Top-10 rangieren, vor allen anderen VW mit 17,8 (nach 16,6) Prozent.

Auch wenn der heimische Neuwagenmarkt 2012 mit 320.000 bis 330.000 Stück wieder auf das Niveau von 2010 zurückfallen dürfte, wie Hellmaier annimmt, bestehe "für uns kein Grund zu jammern". Alle Gründe, warum die Leute heuer die Autohändler gestürmt haben, bestehen weiter: allen voran niedrige Zinsen auf dem Sparbuch und der Wunsch nach verbrauchsärmeren neuen Modellen. Dazu kämen Bevölkerungswachstum und der Anstieg der Single-Haushalte - wobei die über 60-Jährigen die dynamischste Käuferschicht seien.

Für 2011 erwartet Hellmaier mehr als 350.000 Pkw-Neuzulassungen in Österreich, ein Plus von rund 8 Prozent nach dem Rekordjahr 2010. Zu Prognosen deutscher Autoexperten, wonach Westeuropa 2012 mit fünf Prozent Minus und dem schlechtesten Autoabsatz seit 18 Jahren zu kämpfen haben werde, verwies Hellmaier darauf, dass schon heuer in den Krisenländern Rückgänge zu verzeichnen seien. In Griechenland, Italien und Spanien etwa gebe es teils zweistellige Einbrüche, Finnland und die Niederlande würden stagnieren.

Deutschland und Österreich dagegen sind gewachsen, auch der 2009 besonders heftig eingebrochenen Markt in den CEE-Ländern biete Wachstumschancen. Preisdruck durch Überkapazitäten sieht der VW-Händler-Chef nicht: "Wir haben keine Überkapazitäten. Wir haben auch in Westeuropa keine Fabriken neu aufgebaut, sondern in China, Russland und Mexiko. Wir haben das Problem nicht."

Trotz der aktuellen Probleme im CEE-Raum - besonders in Ungarn und Rumänien - sehe man die Region weiterhin als eine besonders wachstumsträchtige an. Die Umsätze kletterten dort heuer immerhin um fast ein Fünftel. Insgesamt liege der Markt in CEE aber immer fast 60 Prozent unter 2008, dem letzten "Normaljahr".

VW auf Erfolgskurs

Die Marke Volkswagen hat auch im November ihren Erfolgskurs fortgesetzt. Der Wolfsburger Autobauer lieferte in dem Monat fast 453.000 Fahrzeuge seiner Kernmarke aus und damit 14,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in Wolfsburg mit. In den ersten elf Monaten dieses Jahres habe VW weltweit knapp 4,7 Millionen Fahrzeuge an Kunden übergeben, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg von 12,4 Prozent. Die höchsten Zuwächse erzielte VW in Zentral- und Osteuropa. In Einzelmarkt Russland verdoppelte die Marke ihre Verkäufe auf 104.200 Fahrzeuge. Erfreulich lief es für VW aber auch im schwierigen Markt Nordamerika - die Auslieferungen stiegen dort bis November um 22,5 Prozent auf 448.500.