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Kein gutes Vorbild der Gebildeten

Von Heiner Boberski

Politik

SPÖ über Auswahl an Innsbrucker Medizin-Uni empört. | Günther Haider attackiert ÖVP und Bildungsministerium. | Wien. Oberösterreichs Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer versuchte am Mittwoch die Wogen in der Bildungspolitik zu glätten: "Es macht kein gutes Bild, wenn Schulexperten, die ja Vorbildfunktion haben sollen, einander öffentlich mit Vorwürfen überschütten."


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Enzenhofer bezog sich auf eine heftige Kontroverse zwischen dem Österreich-Verantwortlichen für die Pisa-Studie Günther Haider einerseits und ÖVP und Bildungsministerium anderseits. Auch um den Uni-Zugang tobt nach wie vor ein heftiger Konflikt.

SPÖ und Grüne griffen frontal die Medizinische Universität Innsbruck (MUI) und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer an. An der MUI entschied bekanntlich der Poststempel über die Aufnahme von Bewerbern. Südtirolern, die erst im Juli ihr Maturazeugnis erhielten, war damit jede Chance auf ein Medizinstudium in Innsbruck genommen. Abgewiesenen Studenten wurde ein Bescheid - mit dem sie Berufung einlegen könnten - erst innerhalb der nächsten sechs Monate versprochen. Die SP-Wissenschafts- und Bildungssprecher Josef Broukal und Erwin Niederwieser orten an der Uni "Chaos, Dilettantismus und Zynismus", Gehrer müsse einschreiten, sonst sei das "Amtsmissbrauch". In diesem Fall sei "ein Misstrauensantrag gegen Gehrer unausweichlich".

Der Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, verwies auf jene Studierenden, "die trotz hervorragender schulischer Leistungen keinen Studienplatz erhalten haben". Er will heute, Donnerstag, im Nationalrat beantragen, dass die Regierung mittelfristig auf europäischer Ebene eine Lösung des Problems suchen soll.

ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek nannte den Vorwurf, dass das Bildungsministerium bewusst wegschaue, "eine Frechheit". Im Ministerium versicherte der Leiter der Hochschulsektion, Sigurd Höllinger: "Alle Beschwerden und Unzulänglichkeiten bei den Zulassungen an der Medizinischen Universität Innsbruck werden sorgfältig geprüft."

Die Uni Graz meldete am Mittwoch, dass sie alle zu den Tests in BWL und Psychologie erschienenen Kandidaten aufnehmen kann. In Psychologie kamen von 529 Angemeldeten 252 zur Prüfung, genau 252 Studienplätze waren angeboten.

Massiver Kritik des Bildungsexperten Günther Haider an Gehrer und ihren Schulreformen trat am Mittwoch Ministerium-Generalsekretär Hermann Helm entgegen. Hatte zuvor bereits ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon die Offenlegung von Haiders "Honorarkultur" verlangt, warf Helm Haider "unqualifizierte Kritik" und "Vereinnahmung der Arbeit der gesamten Zukunftskommission für persönliche, politische Agitation" vor. Haider beharrte auf seiner Kritik am Ministerium und warf seinen Kritikern "unterste politische Schublade" vor.