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Kein Interesse an einem Superstar

Von Christian Mayr

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Linz hat schon viele Stars gesehen: Michael Johnson, Carl Lewis, Ben Johnson, Linford Christie, Javier Sotomayor, Jan Zelezny - und wie die Weltrekordler, Weltmeister und Olympiasieger der Leichtathletik alle heißen. Das Gugl-Meeting im Linzer Stadion war jahrelang Fixpunkt im Kalender und sorgte in den 90er Jahren stets für volle Ränge im Halbrund der Stahlstadt. Mehr als 20.000 Fans wollten mitunter die Stars der Szene sehen - 1995 übertrug sogar CNN live vom Linzer Froschberg. Lange ist’s her. Echte Superstars sind schon ewig nicht mehr über die Tartanbahn der Gugl gehetzt, zumal das Meeting fünf Jahre lang pausierte und erst im Vorjahr wiederbelebt wurde. Und nun hätte es die Chance gegeben, dem Publikum einen echten Knaller zu servieren und das Leichtathletik-Event wieder in die internationalen Gazetten zu befördern. Kein Geringerer als Usain Bolt, seit Sonntag erfolgreichster WM-Athlet aller Zeiten und Sprint-Ikone schlechthin, wäre kommenden Montag gern in Linz aufgelaufen; nicht als Ehrengast, sondern ernsthaft über seine Paradestrecke, die 100Meter. Doch es scheiterte letztlich an der Kleinigkeit von 250.000 Euro Startgeld, die sich der Veranstalter von einem Zusatzsponsor erhoffte. Hätte es noch eines Beweises bedurft, dass die Leichtathletik international gesehen darniederliegt, dann wäre er hiermit erbracht. Schließlich gelingt es nicht einmal in einem wirtschaftlich florierenden Bundesland wie Oberösterreich, wo wegen des Niedergangs des Linzer Fußballs viel Kapital für Sportsponsoring vorhanden sein müsste, diese fast läppische Summe für einen der begehrtesten Sportler weltweit aufzustellen. Und das Argument vom Doping-Generalverdacht zieht nicht: Für Carl Lewis war die Schilling-Million einst rasch erbracht - dabei war dieser nachweislich gedopt gewesen.