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"Kein Interesse an Fachexpertise"

Von Johannes Greß

Politik
Die Grünen wollen hier eine Grünoase, die Stadtregierung lieber eine offene Markthalle.
© PID / Christian Fürthner

Eine Bürgerinitiative kritisiert, dass die Stadtregierung an der Markthalle am Naschmarktparkplatz festhält.


Insgesamt 2.778 Personen haben die Petition gegen eine offene Markthalle am Naaschmarkt-Parkplatz unterstützt, erklärte die Bürgerinitiative "Freiraum Naschmarkt" am Dienstag. Und die Initiative sei auch erstmals in der Sitzung des Wiener Petitionsausschusses behandelt worden. "Doch SPÖ und Neos verzichten im Petitionsausschuss auf die Fachexpertise des Bundesdenkmalamts und der Architektenkammer", kritisierte die Bürgerinitiative.

Dabei zeige die immense Unterstützung für die Petition, dass die Menschen in ihrem Grätzel keine Markthalle vor der Türe haben wollen. "Die wienweite Online-Befragung dümpelt dagegen vor sich hin und gerät zusehends in Vergessenheit", hieß es. Anträge der Oppositionsparteien auf Stellungnahmen der Architektenkammer, des Bundesdenkmalamts, der Universität für Bodenkultur sowie der Wirtschaftskammer Wien seien mit den Stimmen von SPÖ und Neos abgelehnt worden, meinte Bernhard Cella, Mitinitiator der Bürgerinitiative.

Die Bürgerinitiative sowie auch die Mariahilfer Grünen wollen die rund 12.000 Quadratmeter große Stellfläche zur Grünoase umgestalten - mit Bäumen, Sitzgelegenheiten, offenem Wasser und einem Radspielplatz.

Doch Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) hat bereits im Frühjahr ihren Entwurf einer seitlich offenen Markthalle präsentiert. Die Grüne fühlten sich vor den Kopf gestoßen, denn einem Antrag der Mariahilfer Grünen, wonach die Gestaltung des Parkplatzes "ergebnisoffen" und ohne "Vorgaben der Stadt Wien oder des Bezirks Mariahilf" diskutiert werden sollte, hatte Bezirksvorsteher Rumelhart noch im Vorfeld zugestimmt. Später meinte er, er habe sich nicht gegen etwas stellen wollen, was ohnehin geplant gewesen sei.

Die Grünen der angrenzenden Bezirke Wieden, Margareten und Mariahilf gingen Mitte März in die Offensive und schickten 8.000 Fragebögen an die Anrainer aus. 600 der Befragten antworteten, von denen 80 Prozent die Markthalle ablehnten.

Im Büro der Planungsstadträtin Ulli Sima zeigte man sich davon aber unbeeindruckt. Da nur 600 der 8.000 von den Grünen Befragten den Bogen ausfüllten, sei das Ergebnis wenig aussagekräftig, hieß es. Dann startete Sima einen eigenen Beteiligungsprozess. Bezüglich der Kritik des ehemaligen Koalitionspartners an dem Vorhaben ließ man ausrichten: "Liebe Grüne, ihr hattet jetzt 10 Jahre Zeit und ihr habt nichts daraus gemacht". Nun setze man eben eigene Ideen um.

Noch im Juli sollen nun die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses präsentiert werden, im Herbst dann ein europaweiter Gestaltungswettbewerb starten. Dass es eine Markthalle und kein Park wird, sei fix, hieß es aus dem Büro Sima: "Wir wissen aus vielen Gesprächen, was die Bürgerinnen und Bürger wollen". Offenbar wissen sowohl Grüne als auch die SPÖ, was die "wollen" - mit unterschiedlichem Ergebnis. Was am Ende dabei rauskommt, steht auf einem anderen Blatt.