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Kein leichtes Spiel für die Casinos

Von Petra Medek

Wirtschaft

43 Mio. Euro für Restrukturierung. | Mitarbeiter-Abbau gut angenommen. | Brüssel. Die Casinos Austria haben im vergangenen Jahr auf ihrem Heimmarkt keine ruhige Kugel schieben können. Schwache Konsumlust, aber auch das boomende Internet-Spielangebot ließen die Zahl der Casino-Besucher und den Bruttospielertrag (das sind die Spielerträge abzüglich Gewinnauszahlungen) schrumpfen. Im vergangenen Jahr hat das heimische Glücksspielunternehmen rund 43 Mio. Euro für Restrukturierungen in die Hand genommen. Damit wurde unter anderem ein Ausstiegsprogramm für die Casino-Mitarbeiter finanziert, das überraschenden Anklang gefunden hat: Rund 300 Mitarbeiter haben seit Jahresbeginn bereits zugesagt, das Unternehmen zu verlassen, sagte Vorstand Paul Herzfeld am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in Brüssel. Ursprünglich hatte das Management mit etwa 150 Abgängen gerechnet. Die Zahl der Casino-Mitarbeiter wird somit bis Ende 2006 auf etwa 1400 zurückgehen.


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Umstrukturierung des Unternehmens

Im laufenden Jahr werde nochmals ein einstelliger Millionenbetrag für Restrukturierung in die Hand genommen, sagte Finanzvorstand Josef Leutgeb. Nach dem laut Leutgeb "durchwachsenen Jahr" 2005, das im operativen Geschäft in Österreich ein Minus von 16,8 (2004: 23,3) Mio. Euro brachte, soll der Betriebsverlust heuer auf etwa 8 Mio. Euro halbiert werden. 2007 sollen sich dann auch auf dem Heimmarkt wieder schwarze Zahlen ausgehen, sagte Herzfeld. Rückenwind erhofft sich das Management sich von der allgemeinen Entwicklung: Nach Rückgängen im ersten Quartal haben die zwölf Casinos im Inland im Mai und Juni wieder mehr Besucher verzeichnet. Außerdem sollen neue Spielangebote wie etwa bei dem Internetspiel Win2Day den immer zahlreicher werdenden Offshore-Anbietern Paroli bieten.

Die Roulette-Kugel rollt vor allem im Ausland

http://www.wienerzeitung.at/Images/2006/6/22/948_008_163356_220625grafi.png Gut lief es für die Glücksspielgruppe 2005 dagegen im Ausland: Der Umsatz der Konzernunternehmen (also Bruttospielertrag, Trinkgelder und Eintritte von den Casinos, Lotterien und dem Entertainment-Bereich) stieg um knapp 17 Prozent auf 3 Mrd. Euro. Die Casinos Austria International konnte den Jahresüberschuss auf 20,1 Mio. Euro verdoppeln. Dazu beigetragen haben vor allem die europäischen Casinos in Dänemark, Niedersachsen, der Schweiz, aber auch die Häuser Australien und Südafrika.

Um die Expansion zu finanzieren, haben die Casinos eine Unternehmensanleihe in Höhe von 180 Mio. Euro begeben, von der nach Investitionen in Niedersachsen und in Brüssel noch Mittel übrig sind. Die Casinos haben ihre Fühler unter anderem nach Chile ausgestreckt, wo Lizenzen für drei Standorte ausgeschrieben werden. Auch die Finanzierung des Auslandsengagements über einen Börsengang wäre möglich. "Um auch Unternehmen übernehmen zu können und nicht selbst übernommen zu werden, ist das mittelfristig ein Thema", meinte Leutgeb in Hinblick auf Konsolidierungstendenzen in der gesamten Glücksspielbranche.