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Kein Märchen aus 1001 Nacht

Von Christian Mayr

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Jetzt wollen wir es aber genau wissen. Denn wenn der suspendierte Fifa-Präsident Sepp Blatter neuerdings gegenüber wohlgesonnenen Medien aus dem Nähkästchen plaudert, dann muss man davon ausgehen, dass es sich dabei nicht bloß um Märchen aus 1001 Nacht handelt. Und da wären wir schon beim Thema, das angesichts des immer tiefer werdenden Sumpfes im Weltfußballverband fast vergessen worden wäre: die WM 2022 in Katar. Wenn einer weiß, was vor und während der umstrittenen Vergabe im Dezember 2010 so alles gelaufen ist, dann der seit mehr als 15 Jahren amtierende Präsident. Nun erzählte Blatter also der russischen Agentur Tass, dass für 2022 eigentlich die USA als Ausrichter vorgesehen gewesen wären, doch dann sei nach einem Treffen zwischen Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy, dem Kronprinzen von Katar und Uefa-Boss Michel Platini alles anders gekommen. So seien in der geheimen Abstimmung "vier Stimmen aus Europa von den USA an Katar" gegangen -statt 12:10 für die USA habe Katar mit 14:8 das Rennen gemacht. Wenn man nun das Motiv, den ebenso suspendierten Nachfolge-Kandidaten Platini weiter anzupatzen, abzieht, bleibt immer noch die Frage, wer von den 22Wahlmännern einst wann und warum für Katar gestimmt hat. Denn nachdem es im ersten Wahlgang schon 11:3 für Katar stand, sind sicher nicht bloß die Europäer die im wahrsten Sinne des Wortes Angeschmierten. Mittlerweile ließen sich schon ganze Bücher füllen, wer aller einst auf der Payroll der Kataris für eine freundliche Stimme stand. Wenn die Fifa wirklich Aufklärung ernst nimmt, müssen alle Details dieses Votums veröffentlich werden - ebenso wie der 430-Seiten-Bericht von Ex-Fifa-Chefermittler Michael Garcia, der genau das untersucht hat. Letzteres wurde schon vor einem Jahr zugesagt - bis dato ist das aber nichts als ein Märchen.