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Kein Pardon für schlechte Referenten

Von Monika Jonasch

Wirtschaft

Wirtschaftskrise, Personalabbau, Sparmaßnahmen - in Zeiten wie diesen den "Luxus" Weiterbildung zu verkaufen, das ist kein leichtes Unterfangen. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärt Business Circle-Chefin und -Gründerin Romy Faißt, wie daraus dennoch eine Erfolgsstory werden kann.


Vor zehn Jahren hat die ehemalige mehrfache Staatsmeisterin im Kunstturnen, Romy Faißt, den Seminarveranstalter Business Circle gegründet. In den letzten 12 Monaten steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 40% und konnte sich als größter österreichischer Konferenzveranstalter etablieren. 250 Konferenzen und Seminare organisiert Business Circle jedes Jahr mit 20 Mitarbeitern, insgesamt 1.000 Referenten treffen bei diesen Anlässen auf etwa 3.500 Teilnehmer.

In den Krisenjahren zwischen 1999 und 2003 hat man aber auch bei Business Circle neu dazulernen müssen. "Nur die Besten und die Billigsten überleben, das Mittelmaß stirbt", hat Romy Faißt beobachtet und auf Qualität gesetzt. Die Konkurrenz bricht zunehmend weg, während ihr Unternehmen weiter wächst. Das Erfolgsrezept dabei ist eigentlich ganz einfach: Marktbeobachtung und permanenter persönlicher Kontakt mit den Stammkunden.

Noch in den 1990er Jahren hatten heimische Unternehmen großzügig mehrtägige Konferenzen für ihre Mitarbeiter gebucht, aber: "Die Firmen haben in Krisenzeiten gesehen, dass es mit weniger geht. Heute gibt es nur noch zwei Extreme: Eintägige Konferenzen, für die auch aus den Bundesländern angereist wird, weil keine Übernachtung notwendig ist. Oder es gibt Lehrgänge, die 10 Tage und mehr dauern", meint sie.

Besonders gut gehen Fachkonferenzen zu wirtschaftlich relevanten Themen. Business Circle hat sich hier vor allem auf Recht & Steuern, Corporate Finance und den Öffentlichen Sektor, insbesondere Vergaberecht, konzentriert. "Und wir machen keinen Geschäftsbereich, wenn es uns nicht gelingt, innerhalb von zwei Jahren dort Marktführer zu werden", meint sie.

Zwei verschiedene Welten

Man müsse darüber hinaus zur Kenntnis nehmen, dass Fachthemen und Führungsthemen völlig unterschiedliche Gebiete seien, erläutert Faißt. So werden Führungsthemen nur über persönliche Gespräche verkauft, Führungskräfte tagen am liebsten außerhalb von Wien. "Der Produktzyklus dauert hier etwa ein bis zwei Jahre", erläutert die geborene Vorarlbergerin.

Ganz anders verhält es sich bei Fachkonferenzen: Sie werden über Direct Mailings verkauft, finden besser in der Wiener Innenstadt statt und alle drei bis sechs Monate müssen neue Themen angeboten werden. "Bisher hat es kein Anbieter in Österreich geschafft in beidem erfolgreich zu sein", ist Faißt stolz auf sich und ihr Team. Schließlich punktet ihr Unternehmen auch mit Themen wie Human Ressources, Marketing, Sales und PR.

Egal welches Thema, eines ist ihr immer wichtig: Die Qualität muss stimmen, dann ist auch der Preis kein Problem. Aber: "Es gibt kein Pardon mehr für schlechte Referenten. Heute erwarten die Teilnehmer sowohl fachliche Kompetenz wie auch Vortragsqualitäten". - In der Referentenliste finden sich bei Business Circle daher prominente Namen wie Vera F. Birkenbihl, Edgar K. Geoffroy oder Rolf Wunderer.

"Der Chef kocht persönlich"

In ihrer Firma setzt Faißt auf Kontinuität. "Bei uns läuft es nach dem Motto: Der Chef kocht persönlich. Das heißt, alle Teilhaber arbeiten auch selbst mit, und jeder Partner leitet einen Geschäftsbereich", erzählt sie und freut sich, dass auch die Mitarbeiter die gleichen bleiben.

Für die Zukunft hat sich Business Circle nicht eben bescheidene Ziele gesetzt: Über 25% Wachstum will man 2005 erreichen. Vor der Konkurrenz aus den Reihen der Seminarveranstalter hat Faißt dabei wenig Angst. "Mitbewerber kommen eher aus den Reihen der Beratungsunternehmen, die die Firmen mit Informationen versorgen, die diese sonst über Seminare und Konferenzen einholen. Vor allem Großunternehmen setzen gerne auf diese Schiene", hat sie beobachtet.

Ausruhen kann Faißt sich daher nicht und hat bereits Strategien für die Zukunft parat. Im "deutschsprachigen Ausland" wolle man wachsen, lässt sie anklingen. Wien sei auch dort sehr attraktiv als Konferenzstandort. Dann könnte sich Business Circle auch mit Themen, die nicht von nationalen Gegebenheiten abhängen, beschäftigen.