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"Kein Plan B zu Osteuropa"

Von Karl Leban aus Kiew

Wirtschaft
KonzernchefAndreas Brandstetter.

Uniqa sieht Region als einzigen Wachstumstreiber für ihr Geschäft. Alle Märkte außer Rumänien | bescherten zuletzt Gewinne, mit der Profitabilität der Osttöchter ist Konzernchef Brandstetter aber noch nicht zufrieden.


Kiew. Erst zur Jahrtausendwende hat die Uniqa-Versicherung damit begonnen, in den Ländern Osteuropas Fuß zu fassen. Im Vergleich zum Erzrivalen Vienna Insurance Group (VIG) erfolgte ihre Expansion in diesen Wirtschaftsraum relativ spät. Trotzdem ist die Uniqa dort heute nach einer Reihe von Akquisitionen in 15 Ländern vertreten. Im Vorjahr entfiel mit 2,4 Milliarden Euro bereits mehr als ein Fünftel ihrer Konzernprämien auf Osteuropa. In der Region ist die Uniqa damit eigenen Angaben zufolge die Nummer sechs in ihrer Branche.

Von den insgesamt zehn Millionen Kunden stammen 60 Prozent aus dem Osten. Konzernchef Andreas Brandstetter rechnet damit, dass dieser Anteil auch zukünftig kräftig wächst. Bis 2020 will er die Kundenzahl über den Hebel Osteuropa, wo die Versicherungsmärkte noch vergleichsweise unterentwickelt sind, auf 15 Millionen bringen. "In puncto Wachstum gibt es für uns keinen Plan B zu Osteuropa", betonte Brandstetter vor österreichischen Journalisten in Kiew.

An der Profitabilität des Ostgeschäfts hapert es allerdings noch. Mit 15 bis 20 Prozent Gewinnanteil am Gesamtkonzern ist Osteuropa gegenüber den entwickelten Märkten noch unterdurchschnittlich - auch wenn die Kostenquote zuletzt um sieben Prozentpunkte auf 20,1 Prozent gedrückt werden konnte. Das Problem: Wachstum und Ertrag driften noch auseinander. "Beides muss in einer Balance sein", sagte Brandstetter.

Dennoch: Außer in Rumänien, wo ein kleiner Verlust anfiel, bilanzierten im abgelaufenen ersten Halbjahr alle anderen Uniqa-Töchter in Osteuropa positiv - auch in der krisengebeutelten Ukraine.

Ukraine trotz Krise profitabel

In der Ukraine, wo sie Marktführer ist, hat die Uniqa von Jänner bis Juni trotz Rezession und Währungsverfall sechs Millionen Euro Gewinn eingefahren. Beim Managen des dortigen Geschäfts habe unter anderem geholfen, dass große Mitbewerber wie Generali und Allianz dem - ohne die Krim fast 43 Millionen Einwohner zählenden - Land den Rücken gekehrt hätten. Zuletzt hatte die Uniqa in der Ukraine 772.000 Kunden und mehr als eine Million Verträge in ihrem Bestand.

Präsent im Land am Dnjepr ist das im Einflussbereich von Raiffeisen stehende Unternehmen seit 2006. Laut Wolfgang Kindl, dem Chef der Uniqa International, haben sich die dortigen Prämieneinnahmen seither versechsfacht und die Zahl der Niederlassungen auf knapp 100 mehr als verdoppelt - trotz Schließungen infolge des politisch-militärischen Konflikts im Osten des Landes. Die Mitarbeiterzahl, anfangs bei 612, beträgt unterdessen 935.

Elena Uljee, Chefin der Uniqa Ukraine, sagte, sie hoffe darauf, dass die Wirtschaftskrise im Land den Boden erreicht habe und sich die Landeswährung Griwna nun stabilisiere. Das werde die Zuversicht der Menschen wieder heben, für einen Anstieg der Einkommen und damit letztlich auch der Prämieneinnahmen sorgen.

Großes Wachstumspotenzial

Profitieren könnte die Uniqa auch von einer Bereinigung des ukrainischen Versicherungsmarktes, die Kindl für sehr wahrscheinlich hält. Sollte sich der Markt von zuletzt knapp 400 auf 200 bis 150 Player konsolidieren und nur ungefähr 70 echte Versicherer übrig bleiben, würde der Uniqa-Marktanteil in der Ukraine von aktuell 6,4 Prozent wohl auf 15 bis 20 Prozent klettern. Noch vor sechs Jahren war der Markt mit fast 470 Anbietern überschwemmt.

Wachstumspotenzial sieht die Uniqa in der Ukraine, aber auch in ganz Osteuropa jedenfalls genug. Während in der Ukraine für Versicherungen derzeit lediglich 37 Euro pro Kopf und Jahr ausgegeben werden (in reiferen Ostmärkten wie Tschechien 477 Euro), sind es in Österreich durchschnittlich rund 2000 Euro.

Akquisitionen in Osteuropa hat die Uniqa aktuell nicht im Visier. Geplant sei, aus eigener Kraft zu wachsen - mithilfe der Raiffeisenbanken als Vertriebspartner.

Heuer will der Uniqa-Konzern seinen Vorsteuergewinn auf 425 bis 450 Millionen Euro steigern. Brandstetter sieht dieses Ziel weiterhin "gut abgesichert".