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Kein Schlusspunkt

Von Walter Hämmerle

Leitartikel

Der Irak-Krieg scheidet keine Geister mehr. Beim WIE sind sich längst alle einig, dass SO niemals wieder ein Krieg gegen ein diktatorisches Regime geführt werden darf. Beim OB gibt es zumindest noch ein kleines Grüppchen Unverzagter, das auf dem Standpunkt beharrt, dass eine Welt ohne den Massenmörder Saddam Hussein eine bessere sei.


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Die überwältigende Mehrheit der Kritiker des unglückseligen US-Präsidenten George W. Bush, der den Befehl zum Angriff gab, schwindelt sich um diese Frage herum und begnügt sich mit der fast schon rituellen Feststellung ihrer Ablehnung.

Doch diese Debatte ist längst zu einer Veranstaltung von nur noch historischem Interesse geworden - keiner der damaligen Entscheidungsträger ist noch im Amt. Ob das Abenteuer der "Falken" in der Bush-Administration nicht doch noch ein gutes, zumindest aber erträgliches Ende findet, hängt von den Entscheidungen der heutigen Verantwortungsträger ab.

Die damals propagierten Träumereien von einer Domino-Theorie der Demokratie für den Nahen und Mittleren Osten, in welcher ein neuer Irak der erste Stein sein sollte, haben sich jedenfalls als das herausgestellt, was sie in den Augen von Kennern der Region von Anfang an waren: politisch verzerrte Wunschbilder ohne Realitätsgehalt. Heute geht es darum, den Alptraum eines permanenten Bürgerkriegs für das geschundene Land an Euphrat und Tigris abzuwenden.

Natürlich liegt dieses Ziel insbesondere im Interesse der westlichen Welt und all jener, die sich keinen weiteren "failed state" als sicheren Rückzugs- und Operationsraum für Terroristen aller Art wünschen können. Das würde aber auch die Bürger des Irak zu den größten Nutznießern einer stabilen und - zumindest halbwegs - demokratischen Entwicklung machen. Nicht zuletzt an ihnen wird es liegen, ob es mit massiver ausländischer Hilfe gelingt, dem Horror allgegenwärtiger Bombenattentäter in absehbarer Zukunft zu entfliehen.

Der Abzug der letzten US-Kampfbrigade ist deshalb hoffentlich kein Schlusspunkt, sondern ein weiterer Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel. Dass die irakische Führung vom vorzeitigen Zeitpunkt überrascht war, ist allerdings ein schlechtes Omen.