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Kein Universalwerkzeug für Notlagen

Von Heike Hausensteiner

Politik

Der "zweite" oder gemeinnützige Arbeitsmarkt in Österreich ist kein Alibi. Das war der Grundtenor einer sozialpolitischen Diskussion am Mittwochabend im Renner-Institut in Wien.


"Lügen wir uns doch nicht in den eigenen Sack: Wenn es keine Gratisarbeit gäbe, wäre es unmöglich, die sozialen Pflegedienste sicherzustellen." Es sei aber ein Problem, wenn Männer die bezahlte

und Frauen die unbezahlte Arbeit übernehmen, ist der Volkswirt Christoph Badelt von der Wirtschaftsuniversität Wien überzeugt.

Frauenministerin Barbara Prammer gesteht ein, daß die "nicht-marktfähige" Arbeit besonders im Sozialbereich mit Frauen zu tun hat. Sie nehmen die Dienstleistungen in Anspruch, und vorwiegend Frauen

arbeiten darin. Damit aber gerade Mütter erwerbstätig sein können, mangelt es vor allem in ländlichen Gebieten nach wie vor an Betreuungseinrichtungen für Kinder. Jedoch: "Es scheitert am Willen" der

Gemeinden, zeigte sich Prammer gegenüber der "Wiener Zeitung" überzeugt. Sie will keine "legistische Peitsche" einsetzen. Sondern die Frauen selbst sollten Druck machen. Und auf den mancherorts

geäußerten Befehl an Frauen "Zurück an den Herd!", damit es keine Arbeitslosen mehr gäbe, kontert die Ministerin: "Das Gegenteil ist der Fall."

"Konjunkturell" sei die Arbeitslosigkeit nicht behebbar, glaubt Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina. Vielmehr müßten die Bedürfnisse der Gesellschaft erfüllt werden. Zu verhindern gelte es ein

Preisdumping der Leistungen. In diesem Zusammenhang wird, wie berichtet, ein Kollektivvertrag von der Berufsgemeinschaft der Arbeitgeber in Sozial-und Gesundheitsberufen (BAGS) ausverhandelt. Die Non-

Profit-Organisationen (NPO) dürften nicht zum "Universalwerkzeug für die Notlage" gemacht werden, meint Josef Weidenholzer vom Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik an der Universität Linz

und Präsident der Volkshilfe Österreich. NPOs müßten aus dem "sozialpolitischen Ghetto" befreit und als Vertragspartner · nicht Bittsteller für eigene Klienten · angesehen werden. Daß die finanzielle

Abwicklung manchmal nachhinkt, liegt nicht zuletzt an der föderalistischen Struktur.