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Kein Wunderwuzzi für das Burgtheater

Von Bernhard Baumgartner

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Naturgemäß barg der Rauswurf von Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann in der Sekunde ein gewaltiges Potenzial an Spekulationen: Die Medien überboten sich mit Ideen, wer es könnte, wer wollen könnte und wen man nun ins Spiel bringen kann. Das ist ein natürlicher Prozess und sozusagen der ganz normale Nachhall jenes fetten Ballons, der hier geplatzt ist. Für die Akteure ist das gut: Solange die Journalisten genug Material haben, über das sich trefflich schwadronieren lässt, kommen sie nicht zu dem, was sie eigentlich tun müssten: die Frage stellen, wieso offenbar alle Kontrollorgane versagt haben. Oder - wenn sie angeblich nicht versagt haben, sie also keine Schuld trifft - wieso sie dann so konstruiert wurden, dass ein Skandal nicht verhindert werden konnte. Es ist nicht damit getan, jetzt eine neue Direktorin oder einen neuen Direktor aus dem Hut zu zaubern. Man wird sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen haben, wie ein Gebilde, das Kreativität auf Weltniveau zu leisten imstande ist, auch nach soliden und im Sinne des sparsamen Umgangs mit Steuergeldern effizienten Standards geführt werden kann.

Man darf sich nichts vormachen: Für ein Theater von überragender Bedeutung, zumindest im deutschsprachigen Raum, wird man nicht einen Wunderwuzzi finden, der künstlerisch und administrativ Spitze ist. Man
wird sich vielmehr über ein Direktorium Gedanken machen müssen, das die besten Köpfe ihres jeweiligen Bereichs verpflichtet hat.

Dass das nicht sofort geht, ist klar. Hier geht Qualität vor hektischem Aktionismus.