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Kein Wunsch ans Christkind

Von Christina Böck

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Nun hat Alexander Wrabetz endlich den richtigen Nerv getroffen. Wochenlang wurden schon Sparhorrorszenarien entworfen. Kürzungen bei den Filmproduktionen, Wegfall von Dokumentationen aus dem TV-Programm, Streichung von Live-Übertragungen aus Oper und Theater: Das - selbstverständlich alles aus dem Bereich des öffentlich-rechtlichen Auftrags - hatte Wrabetz schon angedroht, sollte es zum Ende der Gebührenrefundierung kommen. Und all das war der Öffentlichkeit, gelinde gesagt, ziemlich wurscht. Aber jetzt hat Wrabetz doch noch eine skandalträchtige Nische gefunden: Beim letzten Stiftungsrat wurde diskutiert, die Tage der deutschsprachigen Literatur mit dem Bachmann-Preis, die das ORF-Landesstudio Kärnten durchführt, einzustellen. Das sorgt für Kritik und sogar Entsetzen.

Und das natürlich zu Recht: Der öffentlich-rechtliche Auftrag des ORF ist keine Empfehlung. Und kein Wunsch ans Christkind. Ja, wahrscheinlich ist es billiger, tonnenweise TV-Serien, die man vor Ewigkeiten im Bonuspaket gekauft hat, in der Endlosschleife auszustrahlen, als der Literatur ein Forum zu bieten. Aber Letzteres gehört nun einmal zum Auftrag des ORF - deswegen erhält er überhaupt erst Gebühren. Den Bachmannpreis, der durch sein Renommee dem ORF auch ein positives Image verleiht, mal eben zum Spielball politischer Verhandlungen zu machen, ist kein besonders eleganter Stil. Wrabetz mag gehofft haben, dass die mediale Aufregung ihm im Kampf um die Gebührenrefundierung hilft. Möglicherweise ist er aber nun nur doch einen Schritt zu weit gegangen.