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Keine Chance den Schönrednern

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Wenn man Günter Bresnik dieser Tage so zuhörte, hätte man fast glauben können, Dominic Thiem hätte soeben ein Match in der ersten Runde gegen irgendeinen Unbekannten abgeschenkt. Dabei hat er das Semifinale eines Turniers der dritten ATP-Kategorie erreicht, dort gegen den späteren sowie hochverdienten Turniersieger Philipp Kohlschreiber verloren und war erstmals in seiner Karriere unter die 20 besten Tennisspieler der Welt vorgestoßen, wo er nun mit 21 Jahren als jüngster Spieler residiert. Doch Lobhudeln und Ausreden wie die (sicher vorhandene) Müdigkeit finden sollen die anderen, Bresniks Sache war das noch nie. Der grummelte derweil lieber von "grottenschlechten Leistungen" und davon, dass Thiem gegen Kohlschreiber "wie ein Schlachtvieh" auf dem Platz gestanden sei. Nun mögen diese Äußerungen übertrieben sein, mangelnden Respekt gegenüber seinem Schützling darf man dem Trainer aber keineswegs vorwerfen. Im Gegenteil: Bresnik weiß wie kaum ein anderer, was Thiem zu leisten imstande ist, wie er tickt und damit auch, wie er ihn beim Blondschopf und beim Ehrgeiz packen muss. Tatsächlich scheut sich Bresnik nicht, unangenehme Dinge anzusprechen - etwa auch, dass der Turnierplan kommendes Jahr nicht gerade für Kitzbühel spricht. Und eben, dass Thiem diesmal sein Leistungsvermögen nie ausschöpfen konnte. Dass er die ersten beiden Spiele dennoch gewann, ist freilich eine Qualität; dass er und Bresnik nie wirklich zufrieden scheinen, eine weitere. Nur dadurch wird er sich weiterentwickeln. Schöngeredet wird im (österreichischen) Sport ohnehin zu viel.