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Keine Erholung für Papierindustrie

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

"Wir produzieren und verkaufen mehr, aber wir verdienen weniger", beschreibt Patrick Mader, Pressesprecher der Vereinigung Austropapier, die Situation der heimischen Papierindustrie gegenüber der "Wiener Zeitung". Der Vorstandschef des Verpackungskonzerns Frantschach, Veit Sorger, führt die schwierige Situation in der Branche vor allem auf Überkapazitäten, niedrige Preise und den schwachen Dollar zurück.


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Im ersten Halbjahr 2003 hat die österreichische Papierindustrie einen Umsatzrückgang von 1,3% verzeichnet. Dementsprechend verschlechterten sich auch die Erlöse der Unternehmen. An der Situation werde sich auch im Gesamtjahr 2003 nichts ändern, meint Mader. Die Durchschnittserlöse sind seit zwei Jahren im Fallen.

Der größte österreichische Papier- und Verpackungskonzern, die Frantschach AG, will heuer mit Umsatz und Ertrag zumindest das Vorjahresniveau erreichen (1,9 Mrd. Euro Umsatz, 179 Mill. Euro Betriebsergebnis), erklärte Frantschach-Chef Veit Sorger am Donnerstag vor Journalisten. Sorger führt an, dass die Produktion zwar gestiegen ist (+17%), aufgrund des Preisverfalls werde das Ergebnis aber gleich bleiben. Frantschach bleibe jedenfalls auf Expansionskurs. Nachdem "das Kapitel Osten" nun strategisch abgeschlossen sei, lege das Unternehmen den Fokus auf China. Die Frantschach AG besitzt in China bereits zwei Werke und will dort mit weiteren Akquisitionen zum Marktführer zu werden. Doch selbst die Chancen auf den Wachstumsmärkten in Osteuropa und Asien würden für die Sicherung künftiger Erfolge nicht ausreichen, meint Sorger. Eine verstärkte Innovationspolitik soll dem Unternehmen daher in den nächsten 5 Jahren zusätzlich 25% mehr Ertrag bringen.

Im Standortwettbewerb sei Österreich unter Druck, erläutert Mader. Es werde zwar sicher niemand eine Papierfabrik in Österreich zusperren, um sie dann im Osten wieder aufzusperren, aber bei neuen Investitionen stehen u.a. die Länder Osteuropas hoch im Kurs. Als Wettbewerbsnachteil würde sich auch das Road Pricing auswirken. Denn in Deutschland werde der Preis für Lkw-Fahrten (wenn das System funktioniert) nur halb so hoch sein wie in Österreich. Dass durch die Lkw-Maut mehr mit der Bahn transportiert wird, werde zumindest auf die Papierindustrie nicht zutreffen, meint Mader - die Möglichkeiten seien bereits weitgehend ausgereizt. Fast 50% aller Transporte der Papierindustrie in Österreich (etwa 15 Mill. Tonnen pro Jahr) werden über die Bahn abgewickelt.