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Keine EU-Gelder für Stierkämpfe

Von Michael Schmölzer

Europaarchiv

1,3 Millionen Euro hätte das so genannte "Proyecto Minotauro" aus den Fördertöpfen des EU-Programms Interreg III bekommen sollen. Das wussten Tierschützer allerdings zu verhindern. Denn das von Spanien ausgehende Projekt hätte das Ziel verfolgt, grenzübergreifend "Stierkämpfe zu promoten", wie Mechthild Mench von "Fight against Animal Cruelty" (FAACE) der "Wiener Zeitung" mitteilte.


Sie sei erst über Presseberichte auf "Proyecto Minotauro" gestoßen, erzählt Mench. Das Unterfangen sei unter dem Titel "Kulturaustausch" gelaufen, hätte aber das Ziel verfolgt, blutige Straßen-Stierkämpfe "zu promoten". Demnach hätte sich eine sich ständig ändernde Anzahl von Gemeinden (zwischen 9 und 15) aus Spanien, Frankreich, Portugal und zuletzt auch Kreta für das gemeinsame Projekt zusammengeschlossen. Unter anderem sollten Ausstellungen zum Thema organisiert werden. Hauptsächliches Ziel sei aber gewesen, dass "Delegationen" aus den "Partner-Stierkampfgemeinden" einen Überblick über die jeweiligen Gepflogenheiten in anderen Kampfarenenen erhalten.

Am 10.01.03 sei das Projekt mithilfe einer "äußerst professionell" agierenden Unternehmensberatung und Lobbyistengruppe in Brüssel präsentiert worden. Das Ziel sei gewesen, finanzielle Unterstützung in Höhe von 1.300.000 Euro im Rahmen des EU-Programmes "Interreg III" zu lukrieren. Ein Zwischenbericht der Lobby-Organisation sei in Brüssel bereits positiv aufgenommen worden, zumindest sei man dort "auf keine Unregelmäßigkeiten" gestoßen, so Mench.

Druck auf Brüssel

Nun begann FAACE seinerseits Druck auf Brüssel, insbesondere den für die Interreg-Gelder zuständigen Kommissar Michel Barnier auszuüben. So wurde ein Online-Protestformular eingerichtet. Die formelle Entscheidungsgewalt über die Vergabe der Interreg-Gelder lag in diesem Fall aber in nicht in Brüssel, sondern in Spanien.

"Schließlich hat man sich dort gegen die eigenen Tradition entschieden", so Mench. Im Juli erhielt FAACE die für sie erfreuliche Nachricht, dass es für das "Proyecto Minotauro" keine EU-Gelder geben wird.

Vorerst zumindest, denn Mench will sich noch nicht in Sicherheit wiegen: Sie hält es für möglich, dass die Betreiber des "Proyecto Minotauro" sich nicht so leicht geschlagen geben und einen neuen Versuch starten werden.