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Keine Fische auf Europa

Von Eva Stanzl

Wissen

Möglicherweise bakterielles Leben unter Wasser: Forscher bestätigen Anzeichen für Geysire auf dem Jupitermond.


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Miami/Washington. Vermutlich schwimmen weder Delfine noch Fische in Europas Meeren. Doch ähnlich wie im Umfeld von unterirdischen Vulkanschloten könnte es auch in den salzigen Ozeanen unter dem Eismantel des Jupitermondes zumindest bakterielles Leben geben. Es könnte nun leichter zu finden sein als bisher angenommen. Astronomen der US-Weltraumbehörde Nasa haben nach eigenen Angaben neue Anzeichen für die Existenz von Wasserdampf-Geysiren auf der vereisten Oberfläche des Jupitermondes Europa entdeckt.

Flüssiges Wasser gilt als Grundvoraussetzung für Leben. Europa, einer der mehr als 50 Trabanten des Gasgiganten, kreist zwar nicht in der bewohnbaren Zone unseres Sonnensystems, die genügend Licht und Wärme für lebensfreundliche Temperaturen ermöglicht. Dennoch gilt er als Top-Kandidat für die Existenz von außerirdischem Leben. Unter seiner Eisschicht vermuten die Forscher nämlich ein gigantisches Meer aus flüssigem Salzwasser. Dank der Gezeitenkräfte, die Jupiter auf Europa ausübt, könnte der subglaziale Ozean durchaus milde Temperauren haben. Modellsimulationen legen zudem nahe, dass es darin wärmere und kühlere Strömungen geben könnte.

Unwirtliche Bedingungen

Lange gingen die Forscher davon aus, dass sie Europas Eispanzer anbohren müssten, um was immer darunter existieren möge, nachzuweisen - ein Unterfangen, das aufgrund der Entfernung, der Dicke der Eiskruste und der unwirtlichen Bedingungen in der Umlaufbahn des Jupiter als nahezu unmöglich gilt.

Nun könnten die vermuteten Wasserdampffontänen helfen, Proben des Ozeans zu untersuchen, ohne das Eis durchbohren zu müssen, sagte der wissenschaftliche Leiter der Nasa, Geoff Yoder, am Montagabend vor Journalisten in der US-Hauptstadt Washington. Sollte sich die Existenz von Geysiren bestätigen, ließe sich die Zusammensetzung des Ozean-Wassers mit Hilfe von Dampfproben erforschen.

Entdeckt wurden die Fontänen am Südrand des Jupitermonds mit Hilfe des "Hubble"-Weltraumteleskops. Sie sollen eine Höhe von 200 Kilometern erreichen. Bei insgesamt drei Gelegenheiten innerhalb von 15 Monaten erspähten die Forscher die mutmaßlichen Geysire, berichtete der Astronom William Sparks vom Space Telescope Science Institute in Baltimore. "Wir behaupten nicht, dass wir die Existenz von Fontänen nachgewiesen haben. Aber wir haben die Anzahl der Hinweise auf solche Aktivitäten erhöht und die Evidenz untermauert", sagte Sparks. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um Wasserdampf-Fontänen handelt, bezeichnete er als "sehr hoch".

Bereits 2012 hatte "Hubble" Aufnahmen gemacht, die den Verdacht erweckten, dass der Jupitermond Geysire hat. Lorentz Roth und seine Kollegen vom Southwest Research Institute in Baltimore entdeckten in den Daten ein Leuchten, das sie zerfallenden Sauerstoff- und Wasserstoffatomen zuschrieben. Sparks und seine Kollegen konnten die Hinweise nun bestätigen. Sie vermuten, dass das Wasser aus Rissen und Spalten in der Eiskruste des Mondes austritt und von den subglazialen Ozeanen stammt.

Die Nasa will 2024 zu dem Trabanten starten und ihn später umrunden. In nahen Vorbeiflügen soll sie die Wasserdampf-Fontänen Europas untersuchen und sie sogar durchfliegen, um die feuchten Dämpfe auf organische Stoffe zu analysieren. Die Analysen sollen Hinweise geben, ob die Konditionen für lebende Organismen geeignet sind. Ähnliche Untersuchtungen kamen bereits bei der am Freitag zu Ende gehenden europäischen Kometenmission "Rosetta" zum Einsatz. Die Sonde hatte den Wasserdampf, den der Himmelsbrocken auf seinem Weg zur Sonne abgab, in seine chemischen Bestandteile zerlegt. Auch die europäische Raumfahrtagentur ESA startet mit ihrer Mission "Juice" 2022 zum Jupiter. 2030 soll die Sonde einen weiteren Mond, Ganymed, erreichen, der ein eigenes Magnetfeld besitzt, jedoch bisher noch keinen Besuch von einem irdischen Raumschiff erhalten hat.

"Die Entdeckungen geben den beiden Missionen Auftrieb, zumal man davon ausgeht, dass man mit ziemlicher Sicherheit die Fontänen analysieren kann und etwas dabei herauskommt", sagt Wolfgang Baumjohann, Direktor des Grazer Instituts für Weltraumforschung und Mitglied des Präsidiums der deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Keine höheren Lebewesen

"Ich denke nicht, dass es in diesen Ozeanen höhere Lebewesen gibt", betont Baumjohann: "Aber Mikroorganismen können auch in sehr lebensfeindlichen Umgebungen existieren - auf der Erde etwa in der Nähe von unterirdischen Vulkanschloten am mittelatlantischen Rücken, wo die amerikanische und die paneuropäische Platte zusammenstoßen. Dort ist es nicht schön, aber warm, weil in der Nähe der inneren Wärmequelle der Erde. Und es gedeihen archaische Bakterien und möglicherweise sogar Algen - intelligentes Leben ist allerdings eher unwahrscheinlich."

Ähnliche Fontänen wie auf Europa hatte die Nasa-Sonde "Cassini" 2005 auf dem Saturn-Mond Enceladus gesichtet. Und Titan, der ebenfalls Saturn umkreist, könne Lebensformen auf Methan-Basis beherbergen, die anders aufgebaut seien jene, die wir kennen. "Allerdings ist das reine Spekulation. Wir haben keine Vorstellung, wie es zusammengesetzt wäre und wie wir es messen würden. Und um eine Bestätigung zu haben, müssten wir dort landen", so Baumjohann: "Derzeit ist Europa wirklich vordringlich."