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"Keine Fluchtbranche"

Wirtschaft
Harte körperliche Arbeit und Schichtdienst prägen touristische Jobs.
© adobe stock / s-motive

Der Tourismus hat als Arbeitgeber nicht den besten Ruf und kämpft mit Personalmangel. Nun soll das Image poliert werden.


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Gastronomie und Beherbergung haben in Österreich einen erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftsleistung. Direkt und indirekt ist die Branche für 6,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verantwortlich. Entsprechend hoch ist auch der Einfluss auf die Inflation im Land. Obwohl die vergangene Wintersaison gut lief und die Sommerbuchungen für Optimismus sorgen, hat der touristische Arbeitsmarkt erhebliche Probleme.

14.400 Stellen sind beim AMS aktuell als offen gemeldet, hieß es von Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) am Montag in Wien, erneut. Dieses Mal war der Anlass die Präsentation einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zum touristischen Arbeitsmarkt. Im Schnitt waren heuer in den ersten fünf Monaten 220.000 Personen im Tourismus beschäftigt, erklärte Kocher in seiner Rede anlässlich der Eröffnung eines Tourismusforums.

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Allerdings zieht es immer weniger österreichische Staatsbürger in die Gastronomie und Hotellerie. Damit müssen immer mehr ausländische Staatsbürger, derzeit 54,3 Prozent, beschäftigt werden. Dies versucht man über Maßnahmen, wie Aufstockungen bei den Saisoniers, die Verbesserung der Rot-Weiß-Rot-Karte und die Ausweitung der Mangelberufsliste, zu lenken. Der Tourismus sei jedoch keine "Fluchtbranche" wie Tourismusstaatssekretärin Susanne Kraus-Winkler (ÖVP) betont.

Demografie und Arbeitsbedingungen

Die von Natur aus personalintensive Branche kämpft tatsächlich mit zwei massiven und langfristigeren Problemen: erstens mit der Demografie und zweitens mit den Arbeitsbedingungen. Denn kennzeichnend für Gastro- und Hotelleriejobs ist körperlich anstrengende und eher schlecht bezahlte Arbeit im Schichtbetrieb, die vor allem junge Menschen bewältigen können. Die österreichische Bevölkerung altert jedoch, womit derzeit und wohl auch künftig immer weniger Junge für diese Branche, wie für viele andere auch, zur Verfügung stehen werden. Zwar freut man sich über mehr Lehrlinge, 7.000 sind es insgesamt heuer und damit 26 Prozent mehr als im Vorjahr. 2022 war allerdings noch stark von postpandemischen Effekten geprägt. Vor 15 Jahren waren es noch 12.000 Lehrlinge, wie die Tourismusstaatssekretärin ausführt.

Gerade die Lehrlinge sorgen jedoch für Kontinuität, bleiben sie doch am ehesten längerfristig in der Branche, wie IHS-Direktor Klaus Neusser anhand der Daten aus der Sozialversicherung belegt. Da die nur 25 Prozent Dauerbeschäftigten im Tourismus 50 Prozent der Arbeitsleistung erbringen, empfiehlt Neusser eine Verlängerung der Saison, um dauerhafte Jobs zu sichern. Denn die Branche ist traditionell stark von Fluktuation geprägt, schon alleine aufgrund des Saisonbetriebes.

Um das Image des Tourismus als Arbeitgeber zu verbessern, wird nun eine Imagekampagne gestartet, um junge Menschen als Mitarbeiter für Gastronomie und Hotellerie zu gewinnen.(mojo)