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Keine Frage der Zufriedenheit

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Die Übernahme der Münchner HVB durch die italienische UniCredit ist für BA-CA-Betriebsratschefin Hedwig Fuhrmann keine Frage der Zufriedenheit. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" legt sie dar, dass es allein darauf ankommt, dass die Eigenständigkeit der HVB-Tochter BA-CA auf Dauer gesichert bleibt und das gewinnbringende Osteuropa-Geschäft weiterhin von Österreich aus gelenkt wird.


In der Einschätzung der BA-CA sind sich die Experten einig: Sie ist der eigentliche Grund für das Zusammengehen von HVB und UniCredit. Denn das boomende Ostgeschäft hat den Italienern erst so richtig Appetit gemacht, die HVB samt ihren unbesicherten Milliarden-Krediten und dem unattraktiven Deutschlandgeschäft zu schlucken.

Auch Hedwig Fuhrmann weiß um die Bedeutung ihrer Bank, die im Jahr 2000 an die Münchner verkauft wurde.

Die Doppelfunktion der Hedwig Fuhrmann

Fuhrmann genießt eine Doppelfunktion. Einerseits ist sie BA-CA-Betriebsratsvorsitzende und somit im Aufsichtsrat der HVB-Tochter. Andererseits ist sie eines von 14 wichtigen Vorstandsmitgliedern der AVZ-Stiftung, die mit 4,5 Prozent Anteil drittgrößter Eigentümer der HVB ist.

Die AVZ ist jene Stiftung, die einst Eigentümerin der Wiener Zentralsparkasse war.

Als AVZ-Vorstand wird Fuhrmann in den nächsten Tagen, wie sie gegenüber der "Wiener Zeitung" betont, entscheiden, ob das Aktientausch-Angebot (fünf UniCredit-Aktien für eine HVB-Aktie), das zwischen HVB und UniCredit ausverhandelt wurde, angenommen wird. "Wir haben noch keinen Beschluss gefällt. Damit kann ich nicht sagen, ob wir as Tauschverhältnis annehmen." Noch vor ein paar Tagen hatte Fuhrmann kämpferischer geklungen, als sie und andere AVZ-Vorstände das UniCredit-Angebot für zu gering erachtet hatten.

Dass die BA-CA-Aktie mit dem Deal für immer vom Kurszettel der Wiener Börse verschwindet, ist für Fuhrmann noch keine ausgemachte Sache. "Das hängt von vielen Faktioren ab. Zum Beispiel, ob die Privatanleger das Übernahmeangebot akzeptieren." In dieser Frage jedoch spiele die AVZ keine nennenswerte Rolle, denn sie besitze nur eine handvoll BA-CA-Aktien, meint die Belegschaftsvertreterin.

Wichtig ist für Fuhrmann sowohl als AVZ-Vorstand, als auch als BA-CA-Betriebsratsvorsitzende, dass die Osteuropa-Aktivitäten auf Dauer gesichert sind. "Der Bank-der-Regionen-Vertrag muss in gleicher Qualität erhalten bleiben. Er ist unbefristet und gilt, egal wer Eigentümer der BA-CA ist," stellt sie klar.

Es gebe eine Grundsatzvereinbarung mit der HVB diese lauffe nur bis 2006, doch davon sei der Regionenvertrag nicht betroffen. Die rechtliche Vereinbarung wurde zwischen AVZ, BA-CA und HVB geschlossen. Für sie gibt es laut Fuhrmann keine Möglichkeit der Kündigung - nur die einvernehmliche Auflösung sei denkbar.

"Ich bin heute froh, dass es diese Absicherung gibt. In der Euphorie einer Eheschließung geht man nicht von künftigen Problemen aus, doch wenn der Alltag hereinbricht, ist es gut abgesichert zu sein." Der Regionen-Vertrag ist für Fuhrmann ein Absicherungsinstrument, an dem sie selbst mitgearbeitet hat.

Die Betriebsrätin ist davon überzeugt, dass in Österreich keine Arbeitsplätze verloren gehen: "Wir sind gut positioniert und haben unsere Hausaufgaben erledigt." Die Zahl der Mitarbeiter wurde in den letzten Jahren gesenkt und wird noch in diesem Jahr den Stand von 10.000 erreichen.

Weniger rosig sieht sie die Lage für die Mitarbeiter in Deutschland und im Osten, wo 9.000 Arbeitsplätze in Gefahr sind. "Das macht mich betroffen. Die Verantwortlichen müssen sozial verträglich vorgehen," mahnt sie.

Die Belegschaftsvertreter aller Länder würden demnächst zusammentreffen und über die neue Situation beraten. "Es gibt Solidarität über die Landesgrenzen hinweg - und nicht nur Geldgeschäfte." Fuhrmann geht wie andere BA-CA-Experten davon aus, dass Polen am stärksten von harten Einschnitten betroffen sein wird.