Zum Hauptinhalt springen

Keine Hilfe für Hanjin

Von WZ-Korrespondentin Susanne Steffen

Wirtschaft
Gestrandet vor Küsten der Weltmeere: Hanjin- Schiffe, wie dieses vor dem Hafen von Long Beach, können nicht mehr anlegen.
© reu/nicholson

Die südkoreanische Regierung will die insolvente Großreederei Hanjin nicht retten. Ihr Untergang bereitet auch US-Importeuren Kopfzerbrechen. Die Konkurrenz profitiert von gestiegenen Frachtpreisen.


Tokio. (ce) Die Zeiten, in denen die Regierung in Seoul alles getan hat, um die großen Konglomerate zu unterstützen, sind vorbei. Die insolvente Schifffahrtssparte des Hanjin-Konzerns könnte das erste sogenannte "Chaebol" sein, an dem Präsidentin Park Geun-hye ein Exempel statuiert und zulässt, dass das Unternehmen untergeht. "Wir werden nicht schweigend zuschauen, wie Unternehmen, die nicht aggressiv an ihrer eigenen Rettung arbeiten, darauf warten, dass die Regierung alle Probleme löst", warnte Park während einer Kabinettssitzung. Diese Haltung schade allen, ergänzte die Präsidentin mit Blick auf den siebentgrößten Reeder der Welt, der vor gut zwei Wochen beim Bezirksgericht in Seoul einen Antrag auf Insolvenzverwaltung gestellt hatte.

Park war vor drei Jahren angetreten mit dem Versprechen einer "ökonomischen Demokratisierung". Dabei will sie die Macht der in diverse Korruptionsskandale verwickelten, meist noch immer von der Gründerfamilie geleiteten Chaebol begrenzen, um stattdessen die Klein- und Mittelbetriebe des Landes aktiv zu fördern. Kritiker werfen der Präsidentin vor, bislang nichts getan zu haben, um ihr Versprechen einzulösen.

1945 gegründet

Die Hanjin-Gruppe ist eines der größten Konglomerate in Südkorea, zu dem auch die Fluggesellschaft Korean Air gehört. Auch Hanjin wird seit seiner Gründung im Jahr 1945 von der selben Familie geführt. Immer wieder gerieten die Nachfolger von Gründer Cho Choong Hoon in die Kritik, da sie die Mitgliedsunternehmen ohne Branchenkenntnis und Sachverstand in die roten Zahlen getrieben und tausende Arbeitsplätze gefährdet hätten.

Mit nur noch gut 1400 Mitarbeitern in Südkorea wäre die Liquidierung der Schifffahrtssparte von Hanjin politisch wohl zu verkraften, mutmaßen südkoreanische Kommentatoren.

Zusammen mit dem kleineren Konkurrenten Hyundai Merchant ist Hanjin Shipping für den Transport eines Großteils der südkoreanischen Exporte verantwortlich. Unterdessen hat das Insolvenzgericht am Mittwoch ohne Angaben von Gründen beschlossen, die Frist, bis zu der Hanjin einen Rettungsplan vorlegen muss, von Mitte November auf Ende Dezember zu verschieben.

Angesichts der Absage der Regierung, dem Unternehmen mit direkten Finanzspritzen zu helfen, gehen Analysten dennoch davon aus, dass der größte Reeder des Landes auf die Liquidierung zusteuert. Das wäre die bislang größte Pleite der globalen Schifffahrtsindustrie. Auch gut zwei Wochen, nachdem dutzende Schiffe aus Angst vor Beschlagnahmung durch die Gläubiger auf hoher See stoppen mussten, ist es Hanjin nicht gelungen, die für die Rettung der Fracht nötigen 173 Milliarden Won (137 Millionen Euro) aufzubringen.

Zwar haben die Gründerfamilie und Großaktionär Korean Air Finanzspritzen zugesagt. Doch die südkoreanische Finanzaufsicht warnte, es werde "eine ganze Weile" dauern, bis die Korean Air Kredite genehmigt werden und tatsächlich Geld fließe.

Klage über Containermangel

Unterdessen hat die Hanjin-Pleite zumindest kurzfristig für steigende Frachtpreise gesorgt, was die Konkurrenz erfreut. Doch die meisten Branchenkenner rechnen nicht damit, dass diese Erleichterung in der von Überkapazitäten und extrem niedrigen Frachtpreisen seit Jahren gebeutelten Containerschifffahrt von Dauer sein wird. Schließlich werden die Hanjin-Schiffe auch nach einer endgültigen Liquidierung des Unternehmens auf den Markt zurückkehren, und das höchstwahrscheinlich zu günstigeren Preisen als bisher, so die Warnung. Hinzu komme, dass bis 2019 wesentlich mehr neue Schiffe ausgeliefert werden, als der erwartete Zuwachs des Seehandels erlaube.

US-Importeure klagen indes über den entstandenen Containermangel und ausstehende Lieferungen, weil die Schiffe wegen den Hafenkosten für Lotsen, Schlepper und Liegegebühren nicht anlegen können.

Eine dauerhafte Besserung der Frachtraten sei erst zu erwarten, wenn die Reeder anfingen, unrentable Schiffe zu verschrotten, sagen Brancheninsider.