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Keine Hinweise auf Massenflucht

Von Martyna Czarnowska

Politik

Die internationale Hilfe für Flüchtlinge aus dem Irak ist angelaufen. In Jordanien, Syrien, der Türkei und dem Iran haben Hilfsorganisationen Flüchtlingslager aufgebaut, in denen rund 350.000 Menschen versorgt werden könnten. Die meisten Camps standen aber auch gestern leer - auf eine Massenflucht aus dem Irak gab es am Wochenende noch keine Hinweise. Die Caritas äußerte die Vermutung, dass der Irak seine Grenzen für Flüchtlinge abgeriegelt hat.


Von 500.000 bis 600.000 Flüchtlingen geht das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) aus. Andere Hilfsorganisationen sprechen von bis zu zwei Millionen Menschen, die in der Region um den Irak Zuflucht suchen werden. Seit Monaten laufen Vorbereitungen, um die Grundversorgung der Bevölkerung sicher zu stellen und Verletzte zu behandeln. Gesundheitszentren und Kliniken wurden mit medizinischen Geräten, Medikamenten und Matratzen ausgerüstet. Flüchtlingslager im und außerhalb des Irak wurden errichtet

Bereits vor einigen Tagen hat UN-Flüchtlingskommissar Ruud Lubbers einen Appell an die Nachbarstaaten des Irak gerichtet, ihre Grenzen für Flüchtlinge offen zu halten. "Wir haben Hilfsgüter und Mitarbeiter vor Ort, und täglich stoßen mehr dazu", erklärte er. "Aber um Leben zu retten, brauchen wir offene Grenzen und Zugang zu den Menschen, die vorübergehendes Asyl suchen."

Doch auch wenn die Nachbarstaaten dem entgegen kommen, könnte dies zu wenig sein. Denn auch der Irak selbst müsste seine Grenzen offen lassen. Einiges spricht allerdings dagegen. So hat die Caritas an der - vermutlich offenen - syrischen Grenze seit Beginn der Kampfhandlungen keine Flüchtlingsbewegungen fest gestellt.

"Die Vermutung liegt nahe, dass Menschen aus dem Irak nicht raus gelassen werden", berichtet Gabriela Sonnleitner von der Caritas. Derzeit sei dies aber nicht überprüfbar, da der Kontakt zu den MitarbeiterInnen im Irak abgebrochen sei. Gleichzeitig gibt es Berichte, dass Menschen auf ihrem Fluchtweg nach Syrien angehalten und nach Bagdad zurückgeschickt werden.

Nach Auskunft der Caritas befinden sich derzeit rund 40.000 irakische Flüchtlinge in Syrien, etliche bereits seit Monaten. "Flüchtlinge erzählen, dass sie von ihren Familien vorgeschickt wurden. Die restlichen Familienmitglieder wollten nachkommen", berichtet Sonnleitner. Seitdem warten die Vertriebenen auf ihre Verwandten. Die Caritas betreut die Menschen, die keinen offiziellen Flüchtlingsstatus haben; baut ein Ärztenetz und Unterrichtsbetrieb auf. Im Irak selbst hat die Organisation 14 Erste-Hilfe-Stationen errichtet.

Mit etwa 80.000 MitarbeiterInnen sind das internationale Rote Kreuz und der Rote Halbmond in der Region um den Irak vertreten. Zu den Hauptaufgaben zählt neben der Versorgung der Flüchtlinge die Bereitstellung von Trinkwasser. So sei im größten Krankenhaus von Bagdad eine Trinkwasseraufbereitungsanlage installiert, nennt Gerald Czech vom Österreichischen Roten Kreuz ein Beispiel.

Von Flüchtlingsströmen aus dem Irak kann auch er nicht berichten. Zwar seien mehrere hundert Flüchtlinge nach Jordanien gekommen. Es seien aber großteils Menschen aus Somalia, Eritrea oder dem Sudan gewesen - und keine IrakerInnen. "Es kann sein, dass die Grenzen zu sind oder dass die Menschen in eine andere Richtung fliehen", meint Czech.

"Interne Bewegungen" melden allerdings lokale Behörden im Norden Iraks. Demnach seien knapp 23.000 Vertriebene an der iranischen Grenze registriert worden. Wie viele Menschen insgesamt sich im Irak auf der Flucht befinden, ist jedoch nicht abschätzbar.

"Die Situation der Zivilbevölkerung ist eigentlich unbekannt", erzählt Czech. "Wir wissen aber aus Afghanistan, dass sich die größten Flüchtlingsbewegungen innerhalb des Landes abspielen." Und auch das alles hänge von der Dauer und der Verbreitung des Konfliktes ab.

Wie zu den Kampfhandlungen gab es ebenso zu den Flüchtlingsströmen widersprüchliche Meldungen. So hat der UNHCR am Wochenende Berichte des Kinderhilfswerks UNICEF zurückgewiesen, wonach rund 3.000 Menschen die Grenze zum Iran überquert hätten. UNHCR-Sprecher Kris Janowski erklärte hingegen, es handle sich dabei um eine Gruppe, die sich noch im Irak aufhalte, aber keine Absicht zeigte, in den Iran zu gehen. "Das haben wir überprüft, und es stimmt wohl", stellte er fest.

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Hilfsorganisationen bitten um Spenden:

Ärzte ohne Grenzen: PSK-Konto 93,040.950

Care Österreich: PSK-Konto 1,236.000, Kennwort "Irak"

Caritas Österreich: PSK-Konto 7,700.004, Kennwort "Irak"

Diakonie: PSK-Konto 2,313.300, Kennwort "Irak"

Hilfswerk Austria: PSK-Konto 90.001.002, Kennwort "Irak"

Rotes Kreuz: PSK-Konto 2,345.000, Kennwort "Irak-Krise" oder http://spende.roteskreuz.at UNICEF Österreich: PSK-Konto 15 16 500, Kennw. "Kinder Irak" oder http://www.unicef.at/spende

Volkshilfe Österreich: PSK-Konto 1,740.400, Kennwort Irak"