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Keine Käufer für 18 Millionen Autos

Von Analyse Von Helmut Dité

Analysen

Überall brechen zum Jahresende die Automärkte dramatisch ein: In den USA, in Japan, in Deutschland und in Frankreich wurden im November jeweils um gut ein Drittel weniger neue Autos gekauft als im November des Vorjahres. Sogar in den noch im Sommer als große Hoffnungsmärkte angesehenen Regionen und Ländern wie Osteuropa, Russland, China und Indien zögern die Käufer angesichts der weltweiten Finanz- und Kreditkrise auf dem Weg zum Autohändler. | Die Prognosen für 2009 sind nicht gut: Er rechne damit, dass 2009 weltweit mit rund 50 Millionen Neuwagen um fünf Millionen weniger verkauft werden als noch 2007, sagt der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft Geislingen, Willi Diez.


Und er lenkt den Blick auch auf das wirklich gravierende Problem der Autobranche: Denn, Kreditklemme hin, Käuferstreik her - die größte Bedrohung sind die weltweiten enormen Überkapazitäten für die Fahrzeugproduktion.

2008 sieht Diez die Überkapazitäten bei zehn Millionen Stück, nächstes Jahr könnten es schon 18 Millionen zu viel produzierte Autos sein. "Es ist dringend ein Abbau der Kapazitäten notwendig", sagt er. "Über den Markt würde sich das so regeln, dass einige Werke schließen und sogar ganze Hersteller pleitegehen". Allein in Deutschland, dem Exportweltmeister, wo mehr als 750.000 Jobs direkt und indirekt vom Auto abhängen, könnten in den nächsten Monaten 70.000 Arbeitsplätze bei Autobauern und Zulieferern vernichtet werden, meint Diez.

Heuer, wo die meisten Betriebe mit Kurzarbeit und Werksferien zum Überstundenabbau wenigstens die Stammbelegschaft noch halten können, wird der europäische Automarkt trotz der drastischen Einbrüche seit dem Oktober übers Jahr gerechnet vielleicht um fünf Prozent oder sogar weniger schrumpfen.

Wenn der Markt aber 2009 noch einmal, wie befürchtet, um weitere zehn Prozent kleiner wird, dann sind auch viele der in den letzten Jahren in den Hoffnungsmärkten Osteuropas und Russlands aus dem Boden gestampften Autofabriken überflüssig. Allein in der Slowakei und Tschechien sind seit 2005 Fabriken mit der Kapazität für den Bau von mehr als einer Million Personenwagen pro Jahr in Betrieb gegangen.

Das Problem der Überkapazitäten hat übrigens mit der aktuellen Finanzkrise rein gar nichts zu tun: Schon 2004 waren in China Kapazitäten für sechs Millionen Autos pro Jahr installiert, nur 2,5 Millionen Fahrzeuge wurden aber verkauft. "Dunkle Wolken über dem Automarkt China" titelte damals eine deutsche Nachrichtenagentur angesichts eines nur um 15 Prozent gewachsenen Marktes, was die internationalen Anbieter in verlustbringende Rabattschlachten getrieben habe. Die Regierung müsse wohl Kredite geben . . .

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