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Keine neuen Bio-Landwirte

Von Claudia Peintner

Wirtschaft

Einstiegsstopp bei Förderungen für Bio-Landbau bis 2013. | Droht Engpass bei heimischen Bio-Lebensmitteln? | Wien. Das Auslaufen ging ohne lauten Aufschrei über die Bühne - für Kopfzerbrechen über die Zukunft der Bio-Landwirtschaft und die Versorgung mit Bio-Lebensmitteln sorgt es aber allemal: Seit Dezember 2009 fördert Österreich keine Landwirte mehr, die auf eine biologische Wirtschaftsweise umsteigen wollen.


Der Wechsel in den Bio-Landbau wurde bisher im Rahmen des Agrarumweltprogramms Öpul unterstützt. An die 18.100 Euro Zahlungen erhielt ein durchschnittlicher Bio-Betrieb jährlich - etwa als Ersatz für teurere Bio-Futtermittel und Ackerbewirtschaftung ohne Dünger und Spritzmittel.

Kein fixes EU-Budget

Der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber, brachte im Herbst im Parlament zwar einen Antrag auf eine Verlängerung der Einstiegsmöglichkeit in den Bio-Landbau ein, die Regierungsparteien lehnten jedoch ab. "Da es für Bio-Bauern eine fünfjährige Mindestbindungszeit gibt, können keine Verträge eingegangen werden, die über das Ende der Finanzperiode 2013 hinausgehen", betont Johannes Fankhauser vom zuständigen Ministerium für Land- und Forstwirtschaft.

Mit 2013 läuft der EU-Haushalt aus. Die Finanzplanung für den Agraretat, der den größten Teil des EU-Budgets ausmacht, ist noch völlig offen. "Wenn Österreich den Bio-Umstieg weiter fördern würde, hieße das, dass sich die Republik Österreich budgetär zu etwas verpflichtet, wo weder auf nationaler Ebene noch von Seiten der EU Mittel zur Verfügung stehen", zeigt man sich in der Landwirtschaftskammer verständnisvoll. Positiv sei zudem: Fördergelder aus dem Öpul-Topf gibt es weiterhin für jene Bio-Betriebe, die ihre Anbauflächen erweitern möchten.

Das Auslaufen des Agrarbudgets sei seit langem bekannt, kritisiert der Grüne Wolfgang Pirklhuber. Er sieht die Schuld bei Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich, der es verabsäumt habe, mit Brüssel eine Regelung als Alternative zur Fünf-Jahresverpflichtung auszuverhandeln. Außerdem sei der Budgetrahmen im Bio-Förderungsprogramm noch gar nicht ausgeschöpft - auch eine Mittelumschichtung sei somit eine Option.

Fest steht jedenfalls, dass der Förderstopp dem Bio-Aktionsprogramm der Bundesregierung in die Quere kommt. Demnach soll der Anteil von Bio-Flächen an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche bis 2010 auf 20 Prozent gesteigert werden - derzeit halte Österreich bei 13,4 Prozent, so Pirklhuber. Laut Berlakovich liegt der Bio-Flächenanteil freilich schon jetzt über 17 Prozent. Weiteres Wachstum könnte aber schwierig werden: Von 2008 auf 2009 haben laut Landwirtschaftsministerium 232 Bio-Betriebe aufgehört und 1184 mit der Öko-Landwirtschaft begonnen. Sollten keine neuen Betriebe hinzu kommen, sieht Bio-Austria-Obmann Rudolf Vierbauch die Chancen als Bio-Musterland vertan. "Es wäre ärgerlich, wenn wir zu wenig Waren hätten, um uns auch in ausländischen Märkten zu positionieren."

Bio-Getreide aus China

Und wie steht es um den Nachschub mit Bio-Apfel und Co. für heimische Verbraucher? Derzeit sei die Versorgung durch die rund 20.700 heimischen Bio-Betriebe noch gesichert, heißt es aus Agrarkreisen. In erster Linie hänge das aber damit zusammen, dass die Nachfrage nach den Hauptgruppen im Bio-Bereich, also Milch- und Fleischprodukte, seit Jahren stagniere. Wachstumszahlen gebe es lediglich im Convenience-Bereich, etwa bei Keksen oder Getränken. Und hier sei es öfters der Fall, dass die Handelsketten aus Kostengründen ihren Soja-Rohstoff aus China oder Getreide aus Osteuropa beziehen: Ein Trend, der sich fortsetzen könnte, wenn der Umstieg auf Bio-Landwirtschaft ungefördert bleibt.