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Keine Pilcher im Waschsalon

Von Francesco Campagner

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Es gibt Tage, da sitzt man mit einem gewissen Staunen vor dem Bildschirm. Man staunt etwa darüber, was eine Lesung der britischen Autorin Rosamunde Pilcher in einer Wiener Buchhandlung im ORF alles bewirken kann. Wie bei einem tüchtigen Koch wird aus einer Zutat gleich ein reichhaltiges (TV-)Menü. Als Vorspeise die Kommentare der Fans über ihren Star, als Hauptspeise Pilcher über den Inhalt ihrer Werke - und als Nachspeise Pilcher über ein Pilcher-Stück mit Handlungsort Wien. All dies wird natürlich in verschiedensten Sendungen serviert. Dass es an diesem Montag keinen Pilcher-Film im ORF zu sehen gab, konnten die Fans verkraften, wurde ein solcher doch schon am Sonntag gesendet.

Am Montag durfte man am Abend stattdessen im neuerdings "grünen" Kanal die Machenschaften der "orangen" Kommune beobachten oder im "orangen" Sender im lieblichen Schlosshotel verweilen. Dass es an beiden Stellen nicht wirklich "pilcherlike" zugehen würde, zeigte schon der informative Vorspann. Die "Orth"-Szenen, in denen sich die Hauptdarsteller über den Zustand eines überfütterten Gastes unterhielten (es handelte sich dabei um einen Hund), verleiteten auch Tierliebhaber nicht zu einem "Hotelbesuch". Und ins "Taxi" begibt sich trotz des großen medialen Feuerwerks kein der Pubertät entwachsenes männliches Wesen - jedenfalls nicht freiwillig. Da sind die Kindheitserinnerungen an lähmende Besuche in den Waschsalons (besonders gefürchtet: 95 Grad mit Vorwäsche) Abschreckung genug.