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Keine Sehnsucht nach Aschenputtel

Von Verena Franke

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Manchmal wünscht man sich die Möglichkeit, unbefangen schimpfen zu können wie etwa Donald Duck in seinen Sprechblasen. Denn durch Totenköpfe und ein paar unleserliche Hieroglyphen ist die gute Kinderstube noch nicht bedroht. Um die Telenovela "Anna und die Liebe" zu beschreiben, wäre dies wenigstens befriedigend und passend: naives Gutes gegen lausbubenhaftes Böses, ohne Anna und auch ohne Liebe. Anna, seinerzeit Jeanette Biedermann, erscheint gerade noch zwei Sekündchen im Vorspann. Aus Anna wurde in der vierten Staffel Nina, die niemand lieb hat und sich nach einem längeren Gefängnisaufenthalt - natürlich unberechtigterweise - mehr schlecht als recht durchs Leben kämpft. Fast alle Charaktere wollen ihr Böses und ihr Traumprinz schläft sich inzwischen auch durch so manches Bett - irgendwie muss er sich ja trösten, wenn die ganze Welt so ungerecht ist. Maria Wedigs Schauspielqualitäten als modernes Aschenputtel Nina sind aufgrund des Drehbuchs nur angedeutet, ihr Prinz Charming, Manuel Cortez als Luca, . .. Donald Ducks Sprechblasen-Totenköpfe wären an dieser Stelle wieder angebracht.

Doch alles hat ein Ende, auch "Anna": Kommenden Freitag ist es soweit. Nach 1123 Drehtagen, 37.000 Seiten Drehbuch, 44 Hauptdarstellern, etwa 600 Nebenrollen und 11.000 Komparsen zeigt ORFeins die aller-, aller-, allerletzte Folge, Ko-Produzent ProSiebenSat1 strahlt die Soap schon seit Jänner - wegen fehlender Einschaltquoten - nur mehr auf Sixx aus. Der ORF beweist Durchhaltevermögen.