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Keine Spur vom Februar im Jahr 2000

Von Walter Hämmerle

Politik

2000 wütende | bereiteten SP-Kanzler einen unfreundlichen Empfang. | Wien. Vorbereitung ist das halbe Demonstranten-Leben: Farbbeutel, Eier und sonstige handliche Gegenstände als Wurfgeschosse gegen die Polizei. Rote Luftballons, ebensolche Fahnen und - natürlich - Transparente mit griffigen Slogans für Fotografen und Kameras. Wirklich rund wird die Sache aber erst, wenn auch die Parolen für die Ohren passen.


Die rund 2000 Demonstranten, die sich am Donnerstagvormittag auf dem Heldenplatz versammelt hatten, um der neuen Regierung und deren Kanzler Alfred Gusenbauer einen unfreundlichen Empfang zu bereiten, waren jedenfalls bestens vorbereitet. Einige besonders Eifrige hatten sogar eine selbst gebastelte Rauchbombe im Gepäck.

So sehr sich die Demonstranten aber auch bemühten - mehr als einen Hauch von Erinnerung an die mittlerweile legendär gewordene Angelobung vom 4. Februar 2000, als Schwarz-Blau unterirdisch den Gang in die Hofburg antreten musste, wollte einfach nicht gelingen. Der umstrittene Kompromiss bei den Studiengebühren verfügt eben nicht über das Erregungspotenzial einer FPÖ-Regierungsbeteiligung.

Die SPÖ im Allgemeinen und Alfred Gusenbauer im Besonderen dürften sich ihre Rückkehr ins Kanzleramt dennoch anders vorgestellt haben: "Komm raus, wenn du dich winken traust!" und "Wer hat uns Verraten? Sozialdemokraten!" skandierten die aufgebrachten Demonstranten, die sich um die SPÖ-Wahlversprechen betrogen fühlten. So manches Transparent erinnerte den neuen Kanzler an seinen letzten Wahlkampf - "Sie haben gelogen, Herr Bundeskanzler" stand darauf zu lesen.

Dass die neue Regierung dennoch unbehelligt den Ballhausplatz queren konnte, verdankt sie jedenfalls der umsichtigen Planung der Exekutive. Diese hatte die Gegend weiträumig abgesperrt - vielleicht gar ein spätes Einstandsgeschenk des interimistischen Innenministers Wolfgang Schüssel an seinen Nachfolger an der Regierungsspitze? Nur einmal drohte die Situation kurz zu eskalieren, als einige übermotivierte Protestierer versuchten, die Absperrungen mit Gewalt zu überwinden. Die Polizei bereitete diesem Plan jedoch ein rasches Ende.