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Keine Spur von Mundl-Geruch

Von David Axmann

Kommentare

Es ist für einen Schauspieler nicht ungefährlich, mit einer einzigen Rolle populär zu werden. Die solcherart errungene Popularität hängt ihm ein Leben lang nach; in welch anderer Gestalt er später auch immer auftreten mag, man wird sich immer noch an seinen ersten großen Erfolg erinnern und es schwer haben, seine aktuelle künstlerische Leistung davon unbeeinflusst zu beurteilen.

Sollte Sean Connery zum Beispiel einmal den König Lear spielen, würden die meisten Zuschauer sicherlich darauf warten, dass er seine Töchter als russische Agentinnen entlarve und mittels eines raffiniert präparierten Kugelschreibers wieder einmal ganz knapp dem Tod entrinne.

Dies vorausgeschickt, ist zu sagen, dass Karl Merkatz als Willy Loman seinen populären Mundl Sackbauer durchaus vergessen macht. Wir sehen einen alten, erschöpften, gescheiterten Mann, der seine letzten Kräfte aufbraucht, um sich und seiner Umgebung den Anschein eines geglückten, nämlich erfolgreichen Lebens zu geben: Merkatz bietet in der Aufführung von Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden" am Stadttheater Klagenfurt (eine Aufzeichnung davon war am Samstagabend in 3sat zu sehen) eine starke Leistung, welche freilich den Nachteil hat, dass wir dadurch die Schwächen des auch nicht mehr taufrischen Stücks umso deutlicher erkennen.