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Keine Zukunft ohne Bücher

Von Stefan Lessmann

Politik

Ein Symposium der Wirtschaftskammer diskutierte über das digitale Klassenzimmer.


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Wien. Verdrängen die Tablets das Schulbuch? Oder überwiegen die Vorteile der gedruckten Form? Um diese Fragen zu diskutieren, lud der Fachverband der Buch- und Medienwirtschaft am Donnerstag unter dem Motto "Lernen, üben und merken" zu Vorträgen und einer Podiumsdiskussion in die Sky Lounge der Wirtschaftskammer. Vorgestellt wurde dabei der "Masterplan zur Entwicklung von Bildungsmedien der Zukunft für Österreichs Schülerinnen und Schüler" - damit möchte der Fachverband eine Diskussion zum Thema anregen. Doch wie steht es heute um die Bildungsmedien in Österreich?

Hybride Zukunft

Der Grundtenor dieser Veranstaltung bestätigte einmal mehr, dass die Zukunft der Schulmedien sowohl im digitalen wie auch im gedruckten Bereich liegen wird. Es solle aber nicht das traditionelle Buch gegen das Tablet ausgespielt werden. Viel wichtiger sei es deshalb, den "hybriden Weg" zu gehen, so Friedrich Hinterschweiger, Obmann des Fachverbandes. Vielmehr solle man situationsabhängig und je nach Unterrichtsanforderung das geeignete Medium zur Hand nehmen. Dies hätte sich auch bei Forschungsreisen in die USA, nach Südkorea und nach Finnland gezeigt.

Die Meinungen und Erfahrungen der Betroffenen, also jene der Schüler, haben hier einen besonderen Stellenwert. Deshalb präsentierte Marktforscherin Claudia Brandstätter auch die Ergebnisse einer Befragung von 587 repräsentativ ausgewählten Jugendlichen. Brandstätters Ziel war es, die Attraktivität sowie Vor- und Nachteile von gedruckten und elektronischen Schulbüchern zu erheben. Mehr als 40 Prozent der Jugendlichen lesen auch heute noch gerne in ihrer Freizeit Bücher. Assoziiert wird damit vor allem ein hoher Entspannungsfaktor. "Das Bedürfnis, zu lesen, ist da", ist Brandstätter überzeugt. Außerdem wurden rund 92 Prozent der Befragten in ihrer Kindheit aus Büchern vorgelesen. Als die am häufigsten genannten Unterschiede zwischen Büchern und E-Books nannten die Jugendlichen das Gefühl des Angreifens, also das haptische Erlebnis. Bei Büchern habe man ein besseres Lesegefühl, einen stärkeren Bezug zum Text. Wichtiges könne einfach und problemlos markiert oder mit Notizen versehen werden. Ein Vorteil der elektronischen Variante dagegen sei es, unzählige verschiedenen Bücher auf einem einzigen Gerät parat zu haben.

Ohne Lehrer geht es nicht

Markus Spielmann kennt als Verlegersprecher des Fachverbandes auch die Sicht der Hersteller. Aber er betonte, dass Bücher Hilfsmittel seien, die Unterstützung beim Lehren und Lernen im Schulalltag bieten: "Zum Unterrichten braucht es den Pädagogen. Ohne Lehrkraft geht es nicht." Denn wenn man im Auto nur sitze, lerne man das Fahren nicht. Auch der Idee, dass man etwa mit Suchmaschinen wie Google keine Lehrer mehr brauche, erteilte er eine Absage: "Google ist nichtzielgerichtet."

Eine volkswirtschaftliche Perspektive brachte Julia Bock-Schappelwein ein, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) arbeitet. Digitale Entwicklungen würden die Arbeitsprozesse enorm verändern, deshalb sei es wichtig, die notwendigen Kompetenzen zu erlernen, um in der Arbeitswelt bestehen zu können.

Ergänzt wurde die Diskussion mit Beiträgen von Gisela Kaiser: Die studierte Philosophin unterstrich die Probleme der Digitalisierung,denn diese würde Abhängigkeit schaffen. "Auch deshalb brauchen Kinder Regeln." Diese beginnen aber schon mit einem Vorbild-Verhalten der Eltern: Negativ bemerkt habe sie etwa, das bereits Mütter beim Stillen gleichzeitig im Internet surfen. Dennoch ist die Wissenschafterin keine Kulturpessimistin. Es gebe auch Trends zum Analogen, zu Brettspielen und zum - so wichtigen - Vorlesen. Auch hier zeigt sich also der Mittelweg von Digitalem und Analogem.