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Keiner hält sich an Rauchergesetz

Von Bernd Vasari

Politik

Studieninitiator Tappler: Vertrauen in Politik sinkt bei wirkungslosen Gesetzen.


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Wien. Dass der Nichtraucherschutz in Lokalen nicht immer auf Punkt und Beistrich erfüllt wird, hätte man sich denken können. Eine Studie deckt nun aber auf, dass diese Vermutung sehr naiv im Vergleich zur Wirklichkeit ist: Denn knapp 99 Prozent der untersuchten Raucher/Nichtraucherlokale verstoßen gegen das Tabakgesetz. Zudem haben zwei Drittel aller Lokale keine ausreichende Trennung zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich, oft steht die Tür offen. In 58 von 314 überprüften Betrieben gibt es weder Türen noch Wände.

Peter Tappler, Studieninitiator und Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen, kritisiert hier aber nicht die Betriebe, sondern das Tabakgesetz. Es sei in der Gastronomie nicht immer möglich, die Türe zwischen Nichtraucher- und Raucherbereich geschlossen zu halten, vor allem weil man als Kellner mit vollen Händen keine Türen öffnen kann. Auch die Regelung, dass Lokale nur bis 50 Quadratmetern Raucherlokale sein dürfen, hält er für falsch. "Wenn das eine Lokal 49 und das nächste 53 Quadratmeter groß ist, dann kann das ein Nachteil sein, vor allem in Gegenden mit einer hohen Lokaldichte und viel Wettbewerb."

314 - also fast alle - Gastbetriebe im 7. Bezirk wurden in diesem Jahr zwischen Juli bis November untersucht. Durchgeführt wurde die Studie von der IBO-Innenraumanalytik OG und "ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt".

Nur ein Musterschüler

Laut Studie ist das Café Westend der einzige Betrieb, der sich an alle Vorschriften hält. Alle anderen haben die Vorgaben des Tabakgesetzes nicht erfüllt. In knapp der Hälfte der Raucher/Nichtraucherbetriebe sind der Nichtraucherraum beziehungsweise die sanitären Anlagen nicht ohne Durchschreiten eines Raucherraumes erreichbar. Bei den Raucherbetrieben hielten sich mehr als ein Drittel an die Obergrenze von 50 Quadratmetern, 25 der 81 überprüften Raucherlokale waren größer. Interessant ist auch, dass Nichtraucherlokale eine schlechtere Kennzeichnung als Raucherlokale aufweisen.

Tappler weist darauf hin, dass das Gesetz "definitiv" nicht kontrolliert wird. Das kann er auch irgendwie nachvollziehen, schließlich sollten Beamten etwas Besseres zu tun haben, als sich mit dem Tabakgesetz zu beschäftigen. Der zögerliche Umgang mit dem Thema Nichtraucherschutz kommt ihm bekannt vor. Auch als man Ende der 1990er Jahre in Flugzeugen begann, ein flächendeckendes Rauchverbot einzuführen, wollte man in der damals noch österreichischen Fluglinie AUA nur bei Kurzstrecken das Rauchen verbieten. Man könne einem Raucher die lange Zigarettenpause ja nicht zumuten, hieß es damals. Und man würde auch die Kunden verschrecken. Tappler: "Flugzeuge fliegen aber immer noch und die Passagierzahlen sind sogar in die Höhe gegangen."

Doch wie soll es weitergehen? Gesundheitspolitisch wäre ein generelles Rauchverbot wünschenswert für Gäste und Beschäftigte. Gleichzeitig wären aber die bisherigen Investitionen der Lokale umsonst. "Es soll für alle eine Lösung gefunden werden. Wir wollen mit der Studie auch nicht Raucher und Nichtraucher gegeneinander aufbringen. Nur, wenn es Gesetze gibt, an die sich niemand hält, dann verliert man das Vertrauen in die Politik."

Es gehe sowohl um den Nichtraucher- als auch um Arbeitnehmerschutz, sagt Hans-Peter Hutter von "ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt". Passiv-Raucher atmen über den "Nebenstromrauch" hunderte Schadstoffe in vielfach höherer Konzentration ein als die Raucher selbst. Er fordert daher von der Politik eine "glatte" Lösung. Und sollte ein generelles Rauchverbot kommen, sollte man eines nicht vergessen: "Dann werden die Menschen vor den Lokalen stehen."