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Kernaktionäre statt Heuschrecken

Von Monika Jonasch

Wirtschaft

Beim Übernahmerecht sieht Wirtschaftsanwalt Rudolf Fries in Österreich Handlungsbedarf. Er plädierte für eine eindeutigere Rechtslage rund um Kernaktionäre. "Ich muss zum Zeitpunkt der Übernahme wissen, ob ich das Übernahmerecht auslöse", forderte Fries am Donnerstag vor Journalisten. Kernaktionäre mit langfristigen Investitionen sind seiner Meinung nach das beste Mittel gegen die "Heuschrecken", wie der deutsche SPD-Chef Franz Müntefering Hedge Fonds bezeichnet hatte.


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Fries argumentierte in Sachen Übernahmerecht nicht ganz uneigennützig. Die von ihm vertretene Fries-Gruppe hatte bei der Kapitalerhöhung von Böhler-Uddeholm im Juni wegen Unklarheiten, ob sie Kernaktionärin werden könnte - und so zu einem Pflichtangebot an den Streubesitz gezwungen wäre - nicht mitgezogen. Im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption ("Greenshoe") hatte sie auch noch 150.000 Aktien aus eigenen Beständen verkauft.

"Dort haben wir wirklich abgelegt", ist Fries noch heute unzufrieden mit der Transaktion, hat sich doch der Aktienkurs seither gut entwickelt. Von einer 25,7%-Beteiligung hatte sich der Anteil der Gruppe so auf etwa 21% verringert.

"Wenn es das Übernahmerecht erlaubt oder eine feindliche Übernahme droht, würden wir weiter zukaufen," sagte Fries dann im Klub der Wirtschaftspublizisten. Für eine Beteiligung zwischen 25 und 30% an Böhler-Uddeholm herrsche in der Gruppe einhellige Übereinstimmung.

Bis Jahresende darf die Fries-Gruppe aber aufgrund eines Entscheides der Übernahmekomission ("Lock-up") keine Aktien zukaufen; Im Aufsichtsrat darf sie nicht die Mehrheit und nicht den Vorsitzenden stellen. Fries legte dagegen Berufung beim Verfassungsgerichtshof ein (VfGh). Einen Entscheid werde es frühestens im Herbst geben, schätzte er. Das österreichische Übernahmerecht sei "kernaktionärsfeindlich", meinte der Wirtschaftsanwalt. Kernaktionären, die langfristig investieren und auf vernünftige Bilanzpolitik und Dividendenausschüttung achten, sollte man nicht unnötig "Prügel vor die Füsse werfen".

Gefahr drohe eher von "Abzockern" - wie Fonds, ausländische Investoren - die "Unternehmen filetieren und ausquetschen wie Zitronen".

Seine Intentionen und damit auch die Tugenden guter Investoren beschrieb Fries so: "Regional und langfristig investieren, die Einheit des Unternehmens bewahren und ausreichend Mittel für Forschung und Entwicklung bereitstellen." Zur optimalen Dividendenausschüttung meinte er: "Man darf die Kuh nur so viel melken, dass sie auch in Zukunft Milch gibt."