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Khadr, Waffenhändler oder Terrorist?

Von Alexander U. Mathé

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Ein Gericht setzte ihn diese Woche auf freien Fuß. | Es gibt Leute wie Österreichs Ausnahmefußballer Marc Janko, die kommen aus einer Sportlerfamilie; andere wiederum, wie der griechische Premier Giorgos Papandreou, blicken auf eine lange Ahnenreihe erfolgreicher Politiker zurück. Abdullah Khadr entstammt einer Terroristenfamilie.


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Sein Vater, Ahmed Said Khadr, emigrierte 1977 als Student von Ägypten nach Kanada. Er wurde ein Computeringenieur und Musterimmigrant - bis zu jenem schicksalshaften Tag, an dem die Sowjetunion 1979 in Afghanistan einmarschierte. Dieser Kampf gegen seine muslimischen Glaubensbrüder regte ihn dermaßen auf, dass er beschloss, sich in dem Konflikt zu engagieren. Ahmed Khadr knüpfte enge Bande mit den Mujaheddin und jemandem, der durch den militärischen Einfall ebenfalls radikalisiert worden war: Osama bin Laden.

Schon bald waren die Khadrs und die bin Ladens dick befreundet. So wuchs auch der kleine Abdullah gemeinsam mit den Kindern von Osama bin Laden auf dessen Anwesen nahe Jalalabad auf. Um seine Ausbildung besorgt, schickte ihn der Vater bereits mit 12 Jahren in ein afghanisches Militärcamp der Al Kaida. Auf dem Stundenplan stand alles, was man als angehender Terrorist so braucht: Bombenbau, Waffenkunde und Scharfschützen-Training.

Später erklärte der in Toronto geborene Abdullah, dass es für einen Zehnjährigen in Afghanistan dasselbe sei, den Umgang mit einer AK47 zu lernen, wie für einen gleichaltrigen Kanadier, Eishockey zu spielen. Ähnlich erging es auch seinen Brüdern, wie etwa Omar, dem wahrscheinlich berühmtesten lebenden Vertreter seiner Familie. Ist er doch der jüngste und als Kanadier letzte westliche Gefangene im US-Lager auf Guantánamo. Dort sitzt er, weil er mit 15 Jahren einen amerikanischen Sanitäter in Afghanistan getötet haben soll.

Im Jahr 2000 dürfte Abdullah im Alter von 19 erstmals in die Besorgung von Waffen für die Al Kaida eingeführt worden sein, während sein Vater zu einem der wichtigsten Geldbeschaffer des Terrornetzes avancierte. In der Folge wurde er Waffenhändler, erklärte aber, nur aufgrund der Prominenz seines Vaters freundliche Beziehungen zur Al Kaida unterhalten zu haben. Allerdings - so beteuerte er später - hätte er nie und nimmer zugelassen, dass Kanada ein Opfer von Anschlägen werde.

Die CIA schrieb ein Kopfgeld von 500.000 Dollar auf Khadr aus, Kopfgeld das im Jahr 2004 in Pakistan kassiert wurde. Dort verbrachte er zunächst ein Jahr im Gefängnis, bevor er in seine Heimat Kanada überstellt und auf Verlangen der USA verhaftet wurde.

Fünf Jahre später hat diese Woche ein kanadisches Gericht entschieden, dass die Terror-Beweise in seinem Fall unzuverlässig sind und hat Abdullah auf freien Fuß gesetzt. Wenig erfreut werden darüber die USA sein, die sich von der kanadischen Regierung eigentlich eine Auslieferung erwartet haben.