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"Kill Team" in Afghanistan auf Fotos dokumentiert

Von Georg Friesenbichler

Politik

Bilder könnten Effekt wie jene aus Abu Ghraib haben. | Kabul/Washington. Ein Soldat hält der Leiche den Kopf in die Kamera, wie bei der Präsentation einer Jagdtrophäe. Ein anderes Bild zeigt zwei aneinander gefesselte Körper, offenbar in dieser Position erschossen.


Es waren junge US-Soldaten, die diese Fotos knipsten, um ihr eigenes Tun zu dokumentieren. "Kill Team" - Mordkommando - nannte Sergeant Cavin Gibbs seinen Trupp, der Jagd nicht etwa auf Taliban, sondern auf unbewaffnete Zivilisten machte. "Purer Hass auf die Afghanen" sei das Motiv gewesen, sagte einer jener zwölf Männer aus, die derzeit deswegen vor einem US-Militärtribunal stehen.

Nun sind ihre Fotos das erste Mal aufgetaucht, und das löst bei Nato-Kommandanten in Afghanistan erhebliche Sorge aus. Die 4000 Bilder, von denen das deutsche Magazin "Der Spiegel" drei veröffentlichte, könnten zu noch schwereren Folgen als jene aus Abu Ghraib führen, jenem irakischen Gefängnis, in dem US-Aufseher muslimische Gefangene demütigten und folterten. Vergeblich haben die USA versucht, die Publikation zu verhindern. Die UNO und andere internationale Organisationen haben aus Sorge bereits eine "Ausgangssperre" für ihr Personal in Kabul verhängt.

Karzai verschiebt Rede

Unklar ist, ob auch die Verschiebung einer Rede von Afghanistans Präsident Hamid Karzai mit diesen Vorgängen zusammenhängt. Karzai wollte verkünden, in welchen Städten und Regionen des Landes die heimischen Sicherheitskräfte im Lauf des Jahres das Kommando von der Nato-geführten Schutztruppe Isaf übernehmen werden. Die Nato hat Ende 2010 beschlossen, den Kampfeinsatz bis 2014 schrittweise zu beenden und das Land nach und nach den Afghanen zu übergeben. Karzai soll die entsprechenden Pläne nun am heutigen Dienstag bekannt geben.

Der afghanische Präsident kritisiert die ausländischen Truppen seit langem für das Töten von Zivilisten, vor allem durch Luftschläge. Das "Kill Team" bringt in diese Diskussion eine neue Dimension.

Die Soldaten einer Panzereinheit, zwischen 22 und 25 Jahre jung, waren in der südlichen Provinz Kandahar stationiert gewesen. Sie töteten die Zivilisten und stellten dies als Akt der Selbstverteidigung dar. Danach brachen sie ihnen Zähne aus und schnitten ihnen Finger ab, um sie als Trophäen herumzuzeigen. Fünf sind wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt, den anderen wird Verschleierung und Haschischkonsum vorgeworfen.