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Kim Jong-il ernennt seinen dritten Sohn zum Nachfolger

Von WZ-Korrespondent Martin Fritz

Politik

Überraschende Entscheidung in Nordkorea. | Tokio. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-il hat offenbar seinen dritten Sohn Jong-un zum Thronfolger der Familiendynastie ernannt. Nach Erkenntnissen des südkoreanischen Geheimdienstes hat der Diktator die Führung der kommunistischen Partei bereits vergangene Woche über die Regelung der Nachfolge informiert.


Kim Jong-un ist der jüngere von zwei Söhnen, die Kim mit seiner dritten Ehefrau Ko Yong-hi hat, einer früheren Tänzerin, die 2004 an Brustkrebs starb. Über Jong-un ist nur wenig bekannt: Er soll 1984 geboren sein, wurde wohl in einem Schweizer Internat erzogen und gilt als Liebling von Kim Ok, der langjährigen Sekretärin von Führer Kim und seit dem Tod von Jong-uns Mutter die neue Lebenspartnerin. Seitdem wurde Kim Jong-un als Thronfolger gehandelt.

Der älteste Kim-Sohn Jong-nam, 37 Jahre alt, der aus seiner zweiten Ehe stammt, war bei seinem Vater in Ungnade gefallen, nachdem er 2001 bei der Einreise nach Japan mit falschem Pass erwischt wurde. Jong-chol, der Bruder von Jong-un, halte der "geliebte Führer" für zu feminin, berichtete der Japaner Kenji Fujimoto, mehrere Jahre lang der Sushi-Koch des Partei- und Staatschefs.

Allerdings bekleidet Jong-un, anders als sein zwei bis drei Jahre älterer Bruder, bisher kein einziges Amt. Doch das könnte sich bald ändern: Für Anfang März hat das kommunistische Land eine seit dem Sommer überfällige Parlamentswahl angesetzt. In Südkorea spekulieren Nordkorea-Experten, Kim Jong-un könnte erst einen Sitz in der Obersten Volksversammlung und danach einen wichtigen Posten in der Nationalen Verteidigungskommission bekommen, der eigentlichen Machtzentrale.

Kims Nachfolgeentscheidung kommt überraschend und ist ein sehr starkes Indiz dafür, dass der "geliebte Führer" sich von seinem Schlaganfall im August erholt hat und die Zügel wieder fest in der Hand hält. Nach seiner Erkrankung war Kim monatelang von der Bildfläche verschwunden. Doch in den letzten Wochen hatten die Staatsmedien mit steigender Frequenz Fotos von ihm veröffentlicht.