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Kinder als Subventionsgeber

Von Judith Belfkih

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Eigentlich sollte es eine gute Nachricht sein. Italiens Premier Matteo Renzi setzt sich für mehr Kunst und Kultur für Jugendliche ein. Wer in Italien bis Jahresende volljährig wird, dem spendiert die Regierung ab sofort 500 Euro. Das Geld ist zweckgebunden und soll der Erweiterung der kulturellen Perspektiven der italienischen Jugend dienen. Kino-, Theater- und Konzerttickets, Eintritte für Museen und archäologische Stätten, der Erwerb von Büchern und Ähnliches können damit finanziert werden. Verwaltet wird das Kulturbudget über eine App. Eine halbe Million 18-Jähriger profitiert davon, es geht also um 250 Millionen Euro. Das entspricht zwei Jahresbudgets der Wiener Staatsoper plus einem Salzburger Festspielsommer.

Der Kunstbonus ist also auch eine Quersubventionierung für die um jeden Euro kämpfenden Kulturinstitutionen Italiens. Oppositionsparteien kritisierten ihn als Geldverschwendung. Für politische Verantwortung spricht die Aktion jedenfalls nicht.

Stell dir vor, es gibt Kunst, und keiner geht hin. Davon können auch Wiener Häuser ein Lied singen, die trotz freiem Eintritt über sinkende Besucherzahlen klagen. Die Initiative könnte also verpuffen. Oder über Kinokarten an der lokalen Szene vorbei nach Hollywood fließen. Der zweite Haken liegt im Eingriff in die Kulturpolitik. Subventionsverteilung als basisdemokratischer Akt, dem Geschmack der Masse folgend? 250 Millionen Euro in der Hand von Jugendlichen? Das kommt fahrlässigem Delegieren von Verantwortung gleich. Aber mutiges politisches Handeln ist wohl auch bei unseren Nachbarn nicht besonders beliebt derzeit.