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Kinderbetreuung fehlt nach wie vor

Von Alexandra Grass

Politik

Die Diskussion über Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern ist am Montag in eine über fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten gemündet. Wie Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat in Wien betonte, will sie mit flexibleren Modellen Frauen den Weg "nach oben" erleichtern. An eine zusätzliche Kindergartenmilliarde ist dabei allerdings nicht gedacht.


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"Mit einem Ende der Hitzewelle ist nicht zu rechnen" - mit dieser meteorologischen Ansicht eröffnete Rauch-Kallat gestern ihre Pressekonferenz. Zum heißen Thema im derzeitigen Spätsommer wurde nun das Fehlen von Kinderbetreuungsplätze.

Insgesamt würden laut Daten des Mikrozensus September 2002 von knapp 90.000 Kindern eine Grundversorgung bzw. eine zusätzliche Betreuungsmöglichkeit benötigt. 344.000 der rund 1,3 Millionen Kinder bis 15 Jahre waren im Vorjahr in einer außerfamiliären Betreuungseinrichtung untergebracht. In den bevölkerungsreichsten Bundesländern Niederösterreich, Wien und Oberösterreich ist der Bedarf am größten (siehe Grafik).

Der Schwerpunkt ist für Rauch-Kallat aber bei den Unter-Dreijährigen zu setzen. Die Sechs- bis Zwölfjährigen würden Angebote am Nachmittag und leistbare Ferienbetreuung benötigen. Die Ministerin kann sich vorstellen, AlleinerzieherInnen und Familien mit sehr kleinen Einkommen künftig mit finanzieller Unterstützung unter die Arme zu greifen. Aufrecht bleibt ihre langjährige Forderung nach steuerlicher Absetzbarkeit von Kinderbetreuung. Damit könnte auch der bestehende "graue" Arbeitsmarkt legalisiert werden.

Kein Hemmnis sei, dass die Kompetenz für Kinderbetreuung bei den Ländern liegt. Rauch-Kallat will mit Landeshauptleuten und Landesräten "sehr ernsthaft reden", eine notwendige Analyse durchführen und auch in Gemeinden Programme entwickeln. Sie denkt dabei etwa an "betriebsnahe Kindergärten" im ländlichen Raum, wobei sich Klein- und Mittelbetriebe zu sogenannten Clustern zusammen schließen könnten.

An eine neue Kindergartenmilliarde ist nicht gedacht, denn im Großen und Ganzen sei bei den Drei- bis Sechsjährigen eine Flächendeckung erreicht. Erreichen will Rauch-Kallat vor allem eine Flexibilisierung bei den Öffnungszeiten.

Denn starre Öffnungszeiten stehen oft im Widerspruch zur zunehmenden Flexibilisierung der Erwerbsarbeit. Auch hier will die Ministerin ansetzen, um Frauen den Weg in den Beruf zu erleichtern. Angesichts der Tendenz dazu, dass die Einkommensschere langsam kleiner wird, zeigt sich Rauch-Kallat optimistisch. Bei ganztags, ganzjährig beschäftigten Personen mit mittleren Einkommen hat sich die Differenz zwischen Frauen und Männern von 23,1 Prozent im Jahr 2000 auf 22,8 Prozent im Jahr 2001 verringert. Mit verschiedenen, teils bereits laufenden Projekten sollen Initiativen für die Berufswahl gesetzt werden.

Durchschnittlich geben Eltern für Kinderbetreuung außer Haus laut Statistik Austria 70 Euro pro Kind und Monat aus, mit Mittagessen 130 Euro, ohne Mittagessen durchschnittlich 60 Euro. Am teuersten sind Krippen und Tagesmütter für Kinder unter zwei Jahren. Dafür werden im Schnitt 145 Euro ausgegeben.

Der Generalsekretär des Städtebundes, Erich Pramböck, fordert eine "ehrliche Diskussion". Einerseits müsse gespart werden, andererseits werde das Kinderbetreuungsgeld erhöht und mehr Plätze sollen zur Verfügung gestellt werden. "Wie soll das gehen?", fragt Pramböck.

Sowohl die SPÖ als auch die FPÖ würden die Möglichkeit einer steuerlichen Absetzbarkeit von Kinderbetreuung begrüßen.