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Kinderbetreuung ist die Mutter der Chancengleichheit

Von Brigitte Pechar

Analysen

Die Emanzipation ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen - das sagt jedenfalls Parade-Feministin Alice Schwarzer. Aber sie beschränkt diese Aussage auf die rechtlichen Rahmenbedingungen. Diese sind noch nicht überall mit Leben erfüllt, wie sich an der noch immer enorm großen Einkommensschere zeigt: Frauen verdienen im Jahr durchschnittlich 26.000 Euro, Männer 33.000 Euro.


Wenn der am Montag veröffentlichten Ifes-Studie Glauben geschenkt werden darf, dann hat sich das Selbstverständnis der Frauen gewandelt. Die meisten Frauen in Österreich wollen berufstätig sein und sehen ihren Job nicht als "notwendiges Übel", sondern als wichtigen Bestandteil zur Selbstgestaltung ihres Lebens an. Überraschend ist aber, dass der überwiegenden Mehrheit der Frauen - obwohl die Arbeit enorme Bedeutung für sie hat - Erfolg und Karriere im Beruf weniger wichtig sind als Selbstgestaltung und individueller Freiraum.

Da könnte man fragen, ob die Antwort aus Resignation vor den Gegebenheiten erfolgt, oder ob Frauen tatsächlich weniger Ehrgeiz im Beruf an den Tag legen. Und wenn Letzteres zutrifft, ist das dann deshalb der Fall, weil Karriere durch die Dreifachbelastung - Beruf, Kinder, Haushalt - ohne tägliche Frustrationsmomente gar nicht verwirklichbar ist?

Tatsache ist jedenfalls, dass sich die Frauen von der Politik mehr Unterstützung wünschen. Realistischerweise tun sie das in den Bereichen, wo die Politik tatsächlich rasch und effizient etwas bewirken kann: nämlich bei der Kinderbetreuung. Tatsächlich hat sich die Regierung in der Vorwoche auf ein Kinderbetreuungspaket geeinigt. Damit soll den Ländern bei der Vermehrung der Kinderbetreuungsplätze auf die Sprünge geholfen werden: 24.000 zusätzliche Plätze bis 2010 werden vom Bund mit 45 Millionen Euro gefördert.

Vergessen wird häufig, dass die Frage "Wohin mit meinem Kind?" nicht mit Schulbeginn endet. Aber die von vielen Seiten versprochenen Ganztagsschulen fehlen noch immer. Frauen können sich erst dann nicht nur auf den Job, sondern auch auf Karriere konzentrieren, wenn sie auch den Kopf dafür frei haben. Das bedeutet, dass Eltern ihre Kinder und Kinder ihre Eltern am Abend unbeschwert von Streitigkeiten über Hausübungen und Lernstoff genießen können sollen.

Warum muss eigentlich noch immer, wenn von Chancengleichheit für Frauen und von Emanzipation gesprochen wird, die mangelnde Kinderbetreuung ein Thema sein? - Bereits die erste Frauenministerin Johanna Dohnal hat in den 80er und 90er Jahren jede dritte Pressekonferenz diesem Anliegen gewidmet. - Weil, ja weil eben die Obsorge für die Kinder nach wie vor hauptsächlich in den Händen der Frauen liegt. Der nächste Ansatz der Politik müsste daher ein ernsthaftes Bemühen sein, Männer mit ins Boot zu holen. Aber vielleicht liegt die Antwort auch darin, dass es den Frauen nicht gelungen ist und nicht gelingt, die Männer mit auf den Weg der Emanzipation zu nehmen?