Zum Hauptinhalt springen

Kindergarten kommt in die Schule

Von Christian Rösner aus Rust

Politik
So soll das Campus-Modell in der Attemsgasse aussehen.
© Stadt Wien

Konzept sieht "Bildungsbereiche" mit vier Schulklassen und zwei Kindergartengruppen vor.


Wien/Rust. Das eine greift ins andere. Keine Geschäftsgruppe arbeitet für sich alleine. Das ist das, was die Regierungsebene der Wiener SPÖ bei der Klubklausur in Rust zu demonstrieren versucht. Laut Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch geht man diesen Weg schon länger - als Beispiel nennt er den Schulbereich. Immerhin seien für den Schulneubau Geld und Flächen notwendig. Das Finanzressort müsse rechtzeitig Geld bereitstellen und das Planungsressort für die entsprechenden Widmungen sorgen.

Auch innerhalb eines Ressorts müsse laut Stadtrat sehr vernetzt gedacht werden. Vor allem bei den Schul-Campus-Modellen gehe es unter anderem um die Mehrfachnutzung von Räumlichkeiten. "Ein Speisesaal wird pro Tag eineinhalb Stunden besucht. Da ist es doch sinnvoll, wenn man den Raum in der Zwischenzeit zum Beispiel für die Musikschulen freigeben kann", meint Oxonitsch.

Aber das ist nur ein Beispiel von vielen. Aktuell treibt man das sogenannte "Campus Plus-Modell" voran: Im geplanten Campus-Projekt in der Attemsgasse in der Donaustadt zum Beispiel sollen im Sinne der integrativen Pädagogik künftig an einem Standort Kindergarten-, Schul- und Freizeitpädagogik vernetzt und weitere Bildungspartner wie Musikschulen oder Jugendzentren eingebunden werden. "Vor allem die Kombination von Schule und Kindergarten ermöglicht viele neue pädagogische Lösungen", befindet Oxonitsch.

Geplant sind hier etwa vier Schulklassen und zwei Kindergartengruppen in einem Stockwerk. "Damit wachsen Kindergarten und Schule zusammen und durch die Begegnungsräume - der sogenannte Marktplatz in der Mitte - bietet sich ein Raum für gemeinsame Projekte an, die die Grenzen einer herkömmlichen Schulklasse und die Grenzen einer herkömmlichen Kindergartengruppe sprengen", so der Stadtrat.

Multifunktionale Räume

Eine Überlegung, die bereits in den bisherigen Campus-Modellen zwar schon Berücksichtigung gefunden hat, nicht aber in diesem ausgeprägten Ausmaß. Glaswände, durch die die Kindergartenkinder in die Schule hineinschauen können, gebe es bereits. Auch die Idee der Partnerklassen - wo Kindergärten regelmäßig eine Schule besuchen - sei längst umgesetzt. "Jetzt rückt das alles noch viel näher zusammen."

So werden die verschiedenen Bildungsbereiche in multifunktionalen Räumlichkeiten zusammengefasst: Die Kinder halten sich dabei nicht ausschließlich in "ihrem" Klassen- oder Gruppenraum auf, sondern können sich frei bewegen und beispielsweise selbstständig eine andere Gruppe besuchen oder das Angebot des multifunktionalen Bereiches nutzen. Weiters sollen hier jeweils auch eine "basale" Klasse für Kinder mit Behinderungen und eine heilpädagogische Kindergartengruppe untergebracht sein.

"Wesentlich ist, dass in einem Bildungsbereich Kinder im Alter von null bis zehn Jahren miteinander den Tag verbringen", betont Oxonitsch. Jeder "Campus Plus" vereint damit gemeinsame zentrale pädagogische Sport-, Kreativ-, Therapie- und Verwaltungsbereiche sowie vier altersübergreifende Bildungsbereiche mit sowohl Kindergartengruppen als auch Schulklassen.

Mini-Campus als Expositur

Neu ist auch die Idee, verstärkt Exposituren in unmittelbarer Nähe zu anderen Schulen einzurichten. In diesem Sinne soll auch die Aufteilung der finanziellen Mittel für den Schulneubau erfolgen: ein Drittel für den Neubau, ein Drittel für den Zubau und ein Drittel für sogenannte Mini-Campus-Modelle - also Schulen, die etwa im Haus ums Eck in der Erdgeschoßzone Räumlichkeiten für zusätzliche Schulklassen nutzen.

Externe Bildungspartner

Und auch hier gehe es um eine starke Vernetzung der Verantwortlichkeiten - müssen hier doch MA 13 (außerschulische Jugendarbeit), MA 10 (Kindergarten), MA 56 (Schulerhaltung), aber auch "externe Bildungspartner", wie etwa Musikschulen oder Breitensportanbieter, auf einen grünen Zweig kommen.

Die nächsten bis zum Jahr 2022 geplanten Campus-Standorte werden nach dem "Campus Plus"-Konzept umgesetzt: In der Planungsphase befinden sich derzeit der Campus Nordbahnhof in der Leopoldstadt, der Campus Eurogate in Landstraße sowie der bereits erwähnte Campus Attemsgasse - und der Campus Berresgasse in der Donaustadt. Noch gesucht werden die Standorte für den Campus Wien-West in Penzing, den Campus Inner-Favoriten, den Campus Gasometerumfeld in Simmering und den Campus Jedlersee in Floridsdorf.

Wiener Campus-Modell
Wien verfolgt beim Bau von Bildungseinrichtungen das Campus-Modell seit 2009. Das bisherige Wiener Campus-Modell mit Kindergarten, Volksschule und Freizeitpädagogik unter einem Dach wurde bereits an drei Standorten - Campus Monte Laa, Campus Gertrude Fröhlich-Sandner und Campus Donaufeld - verwirklicht. In Endausbau befindet sich derzeit der Campus am Hauptbahnhof, wo es ab Herbst 2014 erstmals nicht nur Volksschule und Kindergarten, sondern auch eine Mittelschule an einem Ort geben wird. Kurz vor der Dachgleiche steht der Campus in der Seestadt Aspern. Er wird im Herbst 2015 eröffnet.

Für alle in Vorbereitung, Planung oder Bau befindlichen Campus-Bauten werden insgesamt 700 Millionen Euro investiert.

Projekt Attemsgasse
Im Donaufeld nahe der Attemsgasse entsteht in den nächsten Jahren ein neuer Stadtteil, wo in einem ersten Schritt rund 5000 Menschen leben werden. Damit ist die Donaustadt der am schnellsten wachsende Bezirk Wiens. Genau dort soll auch das Campus Plus-Modell umgesetzt werden. Dafür hat die Stadt Wien einen EU-weiten, offenen Architekturwettbewerb durchgeführt. Der Wettbewerb wurde im Februar 2014 entschieden und lieferte Vorentwurfskonzepte für die neue Bildungseinrichtung, in der rund 790 Kinder ganztägig und ganzjährig betreut werden sollen.

Am Wettbewerb nahmen insgesamt 58 Planungsteams aus Österreich, Deutschland und Ungarn teil. Als Wettbewerbsgewinner ging das Wiener Büro Querkraft Architekten hervor.