Kinderwunsch trotz Pandemie

Von Eva Stanzl

Wissen

Lockdowns und Corona-Krise änderten nahezu nichts an der Familienplanung in Österreich.


Bekommen Paare, die mehr Zeit zu Hause verbringen, eigentlich mehr Kinder? Lässt ein weniger intensiv organisiertes Freizeitangebot sie vielleicht öfter gemeinsam unter die Decke schlüpfen? Mitnichten, berichtet das Institut für Demografie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW): Selbst die verordnete Häuslichkeit während der Corona-Lockdowns hätten an der Familienplanung nichts geändert. Diesen Befund stellt ein Team um die Demografen Isabella Buber-Ennser und Bernhard Riederer im Fachmagazin "Population and Development Review" anhand einer repräsentativen Studie aus.

An sich wirkte sich die andauernde Pandemie mit Sars-CoV-2 auf zahlreiche Faktoren aus, die die Fertilität in Ländern mit hohen Einkommen üblicherweise beeinflussen: Finanzielle Sicherheit und Erwerbstätigkeit, Positionen zu Geschlechterverhältnissen im Bezug auf unbezahlte Hausarbeit, Überlastung oder allgemeines Wohlbefinden. Insbesondere zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 wurde außerdem spekuliert, ob sie einen neuen Baby-Boom auslösen würde. Diese These wurde in einer im Juni 2020 im Fachmagazin "Science" publizierten Perspektive dann widerlegt: Die Geschichte zeige, dass Spitzen in der Sterblichkeit durch Kriege, Hungersnöte oder Pandemien weniger Geburten zur Folge haben. Insbesondere in reichen Ländern sei dies der Fall, berichtete ein Team um den norwischen Demografen Arnstein Aassve. Zu den Gründen würden ökonomische Unsicherheit, Verlustängste und Stress durch eine unausgewogenere Work-Life-Balance zählen, erst eine Erholung der Lage würde die Fertilitätsrate wieder in die Höhe treiben. Später bestätigte eine Studie eines Teams um Tomáš Sobotka des Wiener Instituts für Demografie: In der Tat kamen während der Pandemie zunächst weniger Babys auf die Welt (die "Wiener Zeitung" berichtete).

In der neuen Untersuchung konzentrierten sich Buber-Ennser und ihr Team auf das Hochlohnland Österreich, das, wie es heißt, "eine Geschichte einer stabilen, aber niedrigen Geburtenrate hat, und eine tief verwurzelt konservative Praxis verfolgt, was die Organisation von Familie und Erwerbsleben betrifft."

Basierend auf dem österreichischen Mikrozensus, der größten regelmäßig durchgeführten Erhebung zu Bevölkerungsdaten in Österreich, untersuchten die Forschenden den selbst eingeschätzten, wie Frauen im Alter von 20-45 Jahren und Männern im Alter von 20-50 Jahren den Einfluss der Pandemie auf ihrer eigene Familienplanung einschätzten. Anhand einer repräsentativen Umfrage, durchgeführt im Herbst 2021, ging der Blick insbesondere auf jene, die ihre Familienplanung vor der Pandemie noch nicht abgeschlossen hatten.

Familiengröße seit den 1990er Jahren unverändert

In ihrer Studie beschränkten sich die Wissenschafter auf Daten von 5.625 Personen im gebärfähigen Alter. Das waren Frauen, die zwischen 1976 und 2001 geboren wurden, und Männer, deren Geburt zwischen 1971 und 2001 lag. Das Team konzentrierte sich zudem vor allem auf Angaben von rund 2.300 Menschen in dieser Altersgruppe, die vor der Covid-19-Pandemie ein Kind oder ein weiteres Kind geplant hatten.

Die Ergebnisse: Bloß 7,6 Prozent der Befragten, die vor der Pandemie (weitere) Kinder haben wollten, veränderten etwas an ihrer Familienplanung wegen der Pandemie. In diesem Punkt waren Frauen in der Mehrzahl. Für Studien-Koautor Bernhard Riederer könnte das darin begründet sein, "dass die zusätzliche Belastung durch die Kinderbetreuung während der Schließung von Schulen und Kindergärten überproportional von Frauen getragen wurde". Auch Personen, die am Ende ihrer reproduktiven Lebensphase standen, sowie Eltern zweier oder mehrerer Kinder gaben an, weniger oder später Kinder bekommen zu wollen.

An der durchschnittliche Familiengröße habe sich seit den 1990er Jahren kaum etwas geändert, berichtet das Team weiter. "Alles in allem ist davon auszugehen, dass die langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die Familienplanung in Österreich eher bescheiden sein werden", schreiben die Forschenden in der Studie. Im Vergleich zu internationalen Studien mit ähnlicher Ausrichtung seien hierzulande die Veränderungen sehr klein.