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Kippt Badelt den offenen Uni-Zugang oder findet die Politik einen Ausweg?

Von Brigitte Pechar

Analysen

Österreich liegt im Vergleich der OECD (der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) seit zehn Jahren bei den jährlichen Ausgaben pro Studierendem zwischen Platz acht und Platz fünf - von 30 OECD-Staaten - also klar über dem Durchschnitt. Man ortet daher gleich einmal ein ähnliches Problem wie im Bildungsbereich: überdurchschnittliche Ausgaben, unterdurchschnittlicher Output.


Aber genau wie im Bildungsbereich liegt auch bei den Universitäten der Teufel im Detail. Denn Österreich zählt etwa beim Physikstudium an den Universitäten Innsbruck und Wien zur Weltspitze - da funktioniert auch die Finanzierung. Ganz anders sieht es aber bei den Massenfächern aus. Die Budgetmisere an den Universitäten ergibt sich also aus den extremen Unterschieden zwischen den Massenfächern und den weniger überlaufenen Studienrichtungen. Es geht also um den Hochschulzugang und die Verteilung der Studierenden.

Die Wirtschaftsuniversität Wien zählt mit 26.000 Studierenden zu den begehrten Studienorten. Bei der Debatte um die Leistungsvereinbarungen hat das Wissenschaftsministerium zugesagt, "sich um die Erlassung einer entsprechenden Verordnung zu bemühen und der Regierung einen diesbezüglichen Entwurf vorzulegen". Gemeint war ein Notfallparagraf, wie er für die Publizistik gilt, auch für Architektur und die WU einzuführen. Demnach hätte die WU die Studienplätze auf den Durchschnitt der vergangenen Jahre beschränken und Aufnahmeverfahren einführen können. Allerdings kam das nicht zustande, weil sich die SPÖ quergelegt hat und solche Zugangsbestimmungen nur für die Publizistik akzeptierte - für die war das dann gar nicht nötig, weil es im Wintersemester 2011/12 weniger Interesse gab.

WU-Rektor Christoph Badelt hat mit seinem Gang vor die Schiedskommission jetzt die Notbremse gezogen. Entweder, so argumentiert er, könne sich die Uni ihre Studierenden aussuchen, oder der Staat müsse die Mehrkosten übernehmen. Wie dieses Match ausgeht, bleibt vorerst einmal abzuwarten. Sollte Badelt Recht bekommen, werden sicherlich auch andere Rektoren diesen Weg beschreiten. Damit wäre die Durchsetzung von Zugangsbeschränkungen gegen den Willen der Politik vollzogen. Denn dass diese mehr Geld zur Verfügung stellt, ist angesichts der Budgetsparprogramme unwahrscheinlich.

Viel eher wird die Politik jetzt den Kompromiss finden. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle wird demnächst mit der SPÖ neu verhandeln müssen.

P.S.: Zuletzt hat die Regierung für 15.000 Monteure Steuererleichterungen von 30 Millionen in Aussicht gestellt. Für 280.000 Studierende verlangen die Rektoren 300 Millionen mehr.

Siehe auch:Präzedenz-Fall im Uni-Universum

+++ Gastkommentar: Selbstregelung oder Vignette?