Zum Hauptinhalt springen

Klaus Küng: Analyse

Von Heiner Boberski

Politik

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 19 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Roma locuta, causa finita. Rom hat gesprochen, die Ära Krenn in St. Pölten ist seit gestern endgültig zu Ende. Bischof Kurt Krenn musste "aus einem schwerwiegenden Grund" abtreten, sein Generalvikar, Weihbischof Heinrich Fasching, schied hingegen nach Vollendung des 75. Lebensjahres aus Altersgründen aus dem Amt. Bischof Kurt Krenn ist nicht an seinem Konservativismus gescheitert, das ist für den Vatikan kein Makel, sondern an Verfehlungen in seinem Priesterseminar, die einen weltweit wahrgenommenen Skandal verursachten. Mit Krenns Streben nach Quantität beim Priesternachwuchs hielt die Qualität nicht mit: Nur eine Minderheit der bisherigen Seminaristen darf nach der eingehenden Visitation durch den neuen Bischof Klaus Küng ihr Studium fortsetzen.

Die Berufung von Küng ist eine weitere Rochade Roms, das in jüngster Zeit in Österreich kaum Bischöfe neu ernannt, sondern nur von einem Ort zum anderen geschoben hat: Egon Kapellari von Klagenfurt nach Graz, Weihbischof Alois Schwarz von Wien nach Klagenfurt, Alois Kothgasser von Innsbruck nach Salzburg und jetzt Klaus Küng von Feldkirch nach St. Pölten. Etliche Kircheninsider erwarten deshalb, dass der jetzige Grazer Weihbischof Franz Lackner mit einem der nächsten frei werdenden Bischofssitze, vielleicht sogar schon mit Feldkirch, betraut wird.

Die große Erneuerung ist es nicht, wenn die Diözese des bisher konservativsten Bischofs von jenem Bischof übernommen wird, der bisher als der zweitkonservativste galt. Im Stil und in der Dialogfähigkeit, die auch von seinen Kritikern anerkannt wird, übertrifft der aus dem Opus Dei kommende Küng seinen Vorgänger sicher bei weitem. In der Haltung zu den heißen Eisen der katholischen Kirche - Zugang zu Ämtern, Rolle der Frau, Fragen der Sexualität - dürften die Unterschiede gering sein. Was Küng auszeichnet, ist Glaubwürdigkeit. Er wäre nie bereit, offenkundige Verfehlungen zu dulden oder als "Bubenstreiche" abzutun. Eine Nagelprobe für den neuen Bischof dürfte der Umgang mit den von Krenn in die Diözese geholten konservativen Randgruppen und mit nicht für das Priesteramt geeigneten, unter Krenn aber doch geweihten Geistlichen werden. Zudem wird viel von einer guten Gesprächsbasis mit den Orden - mehr als die Hälfte der in der Diözese tätigen Priester gehören einem Orden an - abhängen.