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Kleider, die die Umwelt schützen

Von WZ-Korrespondentin Christine Zeiner

Wirtschaft
Setzen sich für "grüne" Mode ein: Designerin Cloed Baumgartner und Stoffhändler Enrico Rima. Foto: Zeiner

Modemesse für "Green Fashion". | "Organic Cotton sagt nichts über Arbeitsbedingungen und Färbung aus." | Berlin. Ihr Kleid war einmal eine Anzugshose - der Schlitz über den Knien verrät es. Cloed Baumgartner macht aus alten Männeranzügen Kleider, Röcke und Westen. Die Herrenanzüge bekommt sie aus der Volkshilfe-Box. Gewaschen werden die Sachen bei den "Green&Clean"-Waschsalons in Hernals, Ottakring und Meidling, die das ökologische Waschmittel Ecover verwenden und verbrauchsarme Geräte bieten.


Baumgartner lebt und arbeitet am Wiener Yppenmarkt. Mit ihrem Label "Milch" ist die Designerin auf die Berliner Modemesse "The Key to" gekommen, auf der es ausschließlich sogenannte Green Fashion zu sehen gibt. Hier stellt Baumgartner mit Dutzenden anderen Designern aus, denen es neben dem Anspruch, etwas Eigenes zu schaffen, auch darum geht, weder Mensch noch Umwelt auszubeuten.

Langer Weg vom Anbau bis zum Geschäft

Klassische Hemden, Polos und T-Shirts präsentieren drei junge Hamburger unter dem Label "Toodot", Elegantes für Mütter und Töchter - "Queen and Princess" - zeigt Jessica Reyes Rodriguez. Die Designer können genau erklären, welches Material in einem Kleidungsstück steckt, wo die Fasern angebaut wurden, unter welchen Bedingungen sie gewachsen sind, wer sie zu welchem Preis geerntet hat und in welchem Betrieb zu welchem Preis gesponnen, gefärbt und genäht wurde.

Ein Kleidungsstück hat einen langen Weg hinter sich, bis es schließlich im Geschäft hängt. Viel Wasser und viele Pestizide verschlingt der herkömmliche Baumwollanbau. Orange, Rot oder Grün wird das Garn oft in Tirupur: "Im Textilmekka Indiens kann man in den Flüssen sehen, womit gerade gefärbt wurde", sagt Enrico Rima, der mit "sauberen Stoffen" handelt und immer wieder nach Indien reist. In Tirupur wird für die großen Ketten produziert. Wasser und Böden sind vergiftet, die Arbeiter hantieren ohne Schutz. In Billiglohnländern werden die Stoffe anschließend zu Kleidern genäht.

"Ich bin ein bisserl auf dem Umkehrmissionars-Trip", erzählt Baumgartner. Sie versucht Wiener Modelabels, die nicht mit Secondhand-Ware arbeiten, dazu zu bringen, umweltfreundliche und fair produzierte Stoffe zu verwenden - deren Baumwolle aus einem Kleinbauernverbund stammt, der mit umweltfreundlicher Tröpfchenbewässerung und ohne Gift arbeitet.

Bei Stoffen und Kleidern, die das "GOTS-Siegel" tragen, ist das der Fall. Der "Global-Organic-Textile-Standard" garantiert außerdem, dass die verwendeten Farbstoffe geprüft und als unbedenklich eingestuft wurden. Wurde gebleicht, dann nicht mit chlorhaltigen Chemikalien. Überprüft wird auch, ob die zertifizierten Unternehmen wenigstens Mindestlöhne zahlen, Überstunden abgelten und keine Kinder beschäftigen. Manche Designer arbeiten auch mit "Fairtrade" zusammen, das Siegel steht ebenfalls für den Einsatz von Biobaumwolle sowie einer höheren Bezahlung als auf dem Weltmarkt üblich.

Nur Grünes imKleiderschrank

"Mein Schrank ist in den letzten Jahren grün geworden", sagt Mathias Ahrberg, Mitgründer des Labels Toodot. Er trage nur ethisch korrekt produzierte Stücke und Secondhand-Sachen.

"Ein Teil, das gut gemacht ist und das ich dann mehrjährig hab, ist mir lieber als die Fetzen, die schnell auseinandergehen", sagt Baumgartner. Man brauche auch nicht ständig Neues, auch wenn das die Modewelt suggeriere. Shoppen in den Ketten ist also tabu? "Für meinen Buben kaufe ich auch bei H&M, es gibt ja dort auch Biobaumwollsachen." Tatsächlich bieten einige Große mittlerweile Stücke aus "Organic Cotton" an. Für Stoffhändler Rima ist das ein erster wichtiger Schritt: "Auch wenn das noch nichts über die Färbung und die Arbeitsbedingungen aussagt."

Orientierung dabei, wie engagiert großen Unternehmen beim Thema "grüne" und "faire" Produktion sind, gibt die Internetseite der Nichtregierungsorganisation "Clean Clothes": Mehr als 50 Unternehmen - darunter Esprit, Mango oder Jack Wolfskin - sind hier erfasst.

http://www.cleanclothes.at

http://milch.mur.at

http://www.toodot.net

http://www.queenandprincess.de