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Kleinbetriebe sind "Euro-Muffel"

Von Erika Bettstein

Wirtschaft

Rund 40% der österreichischen Betriebe haben bereits auf den Euro umgestellt, 30% sind derzeit mit Umstellungsmaßnahmen beschäftigt, aber immer noch jede dritte Firma ist ein "Euro-Muffel" - vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Weil der Termin der Bargeldumstellung Anfang 2002 immer näher rückt, hat die Euro-Initiative der Bundesregierung zusammen mit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und den Informationspartnern das "Euromobil 2000" entwickelt. Dieser Kleinbus wird 40 KMU in Österreich Hilfestellung frei Haus liefern - wie am Montag der Marmeladenmanufaktur Staud im 16. Wiener Gemeindebezirk.


Rund 500 Tage vor der Euro-Bargeldeinführung liege die Zustimmung zur gemeinsamen Währung in Österreich bei 58% (EU: 62%), berichtete Wirtschaftminister Martin Bartenstein. Immer noch gebe es aber Informationsdefizite und Unsicherheiten bei Bürgern und Unternehmen - jede Bevölkerungsgruppe soll "mit maßgeschneiderten Informationspaketen" versorgt werden.

KMU bilden einen wesentlichen Schwerpunkt dabei. Das "Euromobil", an dem auch der Wirtschaftsinformationsdienst Dun&Bradstreet, die Unternehmensberater Simon Kucher & Partner sowie Hager & Partner und die Bank Austria mit organisiert haben, bietet KMU konkrete Hilfe bei der betrieblichen Euroumstellung. Bis Jahresende sollen laut einer IFES-Studie 63% (derzeit 42%) der Einzelhändler eine doppelte Preisauszeichnung vornehmen. Mit 12,4% seien die Ausfuhrzollanmeldungen in Euro (4. Quartal 1999: 2%) schon stark angestiegen.

Österreich hinkt hinten nach

Der Zahlungsverkehr in Euro liege mit 1% in Österreich weit hinter dem internationalen Durchschnitt von 25%, erklärte Bartenstein. Auch werde erst eine von 1.000 Umsatzsteuererklärungen in Euro abgegeben und nur 2% der Unternehmenskonten sowie 3% der Kontoneueröffnungen würden in Euro laufen. Für Bartenstein ein Zeichen, "dass noch nicht alle Betriebe die neue Währung und die sich daraus ergebenden Vorteile nutzen". Er hofft, dass "die Talsohle in der Dollar-Euro-Parität erreicht ist" - aus Imagegründen. Denn auf die Exportwirtschaft wirkt der "schwache" Euro belebend und beeinflusst die heimische Wirtschaft bei einer Handelsverflechtung mit Ländern außerhalb der Eurozone von nur 13,6% (Exporte 1998) nur wenig negativ.

WKÖ-Präsident Christoph Leitl ist sich sicher, dass "vor allem die Unternehmen eine Schnittstellenfunktion beim Bargeldumtausch übernehmen werden", und meint damit nicht nur Banken und Handelsunternehmen, sondern auch Gewerbebetriebe, Taxifahrer, Restaurants.

Ihm geht es um eine "möglichst reibungslose und kostenschonende Euro-Umstellung" für die heimischen Betriebe. Dafür will er eine "kurze und schmerzlose" Übergangsperiode Anfang 2002. Die Vereinbarung im Handel, ab 1.1.2002 nur mehr Euro an die Kunden herauszugeben, spare Kosten und erleichtere die Doppel-Bargeld-Phase, weitere Branchenvereinbarungen könnten folgen. Gefordert werden von Leitl österreichweite Euro-Förderprogramme, denn die Wirtschaft trage "eine Hauptlast" bei der Umstellung. Seitens der WKÖ werde seit 1997 mit über 100 Euro-Beauftragten und dem Euro-Service intensiv informiert. Dabei gehe es nicht nur um technische Fragen und eine sachliche Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken des erweiterten Marktes, sondern auch um psychologische Hilfestellung: "Kein kleiner Unternehmer soll sagen, das tu´ ich mir nicht auch noch an , da sperr´ ich lieber zu".

Am 28. Februar ist es zu spät

Rechtlich wurde eine Umstellungsphase vom 1. 1. bis zum 28. 2. 2002 fixiert. "Wer aber glaubt, er stellt am Schluss um, für den ist es zu spät", warnte WKÖ-Vizepräsident René Alfons Haiden, zu dessen Aufgabe die Vorbereitung der Unternehmen auf den Euro zählt. Haiden spricht von einer "nationalen Aufgabe" und will die Unternehmer ermuntern, die WKÖ-Serviceangebote wie branchenspezifische Checklisten oder Broschüren mit Praxistips noch mehr zu nutzen.

Informationen: www.bmwa. gv.at; www.wko.at/euro