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Kleine Community, große Vielfalt

Von Heike Hausensteiner

Politik
"Slafa Mega Night" - bei Musik spielen ethnische und religiöse Zugehörigkeiten keine Rolle.
© © Slafa

Sri-Lankesen in Österreich treffen sich regelmäßig auf Festen und beim Cricket.


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Wien. Ein geschätztes Viertel der sri-lankischen Community war gekommen. Mit bunten Tänzen, dem berühmten Sänger Surendra Perera und einem Buffet selbst gekochter Köstlichkeiten aus der Heimat hat sie am Wochenende wieder ihre sri-lankische "Mega Night" gefeiert. 300 Gäste waren gekommen, unter ihnen etwa 50 Österreicher. Hin und wieder einfach ein Fest zu feiern, auf dem sich möglichst viele Sri-Lankesen treffen, das sei so üblich in ihrer Community, erzählt Ruwan Fernando im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Er ist seit fünf Jahren Obmann der 1998 gegründeten Österreichisch-Sri-Lankischen Gesellschaft Slafa, die auch die "Slafa Mega Night" veranstaltet hat. Bis in die frühen Morgenstunden heizten die Sri-Lankesen dem Haus der Begegnung in Wien-Favoriten ein. Ihre kleinen Kinder waren auch mit dabei und pausierten zwischenzeitlich bei einem Nickerchen im Kinderwagen.

Manche Auswanderer aus dem Inselstaat im Indischen Ozean leben seit 40 Jahren in Österreich. Die meisten sind Gastarbeiter, die sich hier niederließen, um besser zu verdienen, manche davon im Gastgewerbe, wie etwa die Familie Abraham, die seit mehr als 20 Jahren das Restaurant "Colombo Hoppers" in Wien-Margareten betreibt. Etwa 50 Sri-Lankesen arbeiten derzeit bei den Vereinten Nationen in Wien. Die gesamte Community in Österreich umfasst zirka 1000 Personen, schätzt Ruwan Fernando. Die meisten von ihnen sind Nachkommen der Elterngeneration, die vor 20 oder 30 Jahren hierher gezogen sind.

Sri Lanka hat eine ethnisch und religiös durchmischte Bevölkerung. Das Zusammenleben verlief nicht konfliktfrei. 1983 brach der Bürgerkrieg aus, in dem radikale Mitglieder der Tamilen-Minderheit ("Tamil Tigers") um ihre Unabhängigkeit vom mehrheitlich singhalesischen Staat kämpften. Damals wollten viele "einfach weg" aus Sri Lanka, erzählt Fernando. Die Flüchtlinge waren vorwiegend Tamilen. Sie emigrierten damals kaum nach Österreich, sonder nach Australien, Großbritannien, Frankreich, Indien, oder sie entgingen den Kriegswirren, indem sie sich einfach im Süden des 20-Millionen-Einwohner-Landes ansiedelten.

Binationale Ehen schwierig

Ruwan Fernando kam 2003 als Student nach Österreich - und spricht heute perfekt Deutsch. Er ist Angehöriger der christlichen Minderheit in Sri Lanka (sieben Prozent). Die Christen auf Sri Lanka sind Nachfahren der einstigen portugiesischen und niederländischen Kolonialherren. In Österreich trat Ruwan Fernando ins Zisterzienserkloster Stift Heiligenkreuz im Wienerwald ein, aber nur für drei Jahre, dann trat er wieder aus. Heute ist er Angestellter der Botschaft Sri Lankas und mit einer Buddhistin aus seiner Heimat verheiratet. Seine erste Ehe mit einer Salzburgerin war gescheitert. Ausgewanderte Sri-Lankesen würden keineswegs nur innerhalb ihrer Community heiraten und würden auch nicht ihre Eltern die zukünftigen Ehepartner aussuchen lassen. "Das war vielleicht vor hundert Jahren so", meint Fernando. Aber er gibt zu: "Bi-nationale Ehen sind schwieriger." Seine 16-monatige Tochter ist im Übrigen getauft.

Die Buddhisten bilden mit 70 Prozent die größte Religionsgemeinschaft auf Sri Lanka. Der hier gelebte Buddhismus gilt als eine Urform des Buddhismus, auch weil die ersten Aufzeichnungen über Buddha ("Pali-Kanon") auf Sri Lanka entstanden. Die zweitgrößte Gruppe sind die Hindus (15 Prozent), gefolgt von Moslems und Christen (je sieben Prozent). Abseits der "Mega Nights" trifft sich die Community auch in der buddhistischen Friedenspagode am Handelskai im zweiten Bezirk und in einem Tempel im 13. Bezirk, in dem ein Mönch buddhistischen Religionsunterricht für Kinder anbietet. Auch Ruwan Fernando ist - obwohl Christ - bei den Treffen dabei.

Was verbindet ansonsten noch Singhalesen, Tamilen und Katholiken aus Sri Lanka, die in Innsbruck, Salzburg, Graz oder Wien wohnen? Die Musik - und natürlich Cricket, den ursprünglich englischen Nationalsport. Denn die vormals "Ceylon" genannte Insel war Teil des British Empire, wurde 1948 unabhängig und gehört nach wie vor zu den Commonwealth-Staaten. Gut, dass es inzwischen auch in Österreich drei große Cricket-Plätze gibt: in Wien Donaustadt, in Seebarn bei Korneuburg (NÖ) und in Velden (Kärnten). Begründer des Crickets in Österreich ist ein gebürtiger Sri-Lankese, nämlich Sivabala "Siva" Nadarajah, Vater der österreichischen Profischwimmerin Fabienne Nadarajah. Siva spielte in Sri Lanka in der Cricket-Nationalmannschaft, seit 1979 lebt er in Wien. Er ist Präsident des Austria Cricket Klub Concordia - und Angehöriger der Tamilen. "Aber das", betont Ruwan Fernando, "spielt bei Cricket keine Rolle."

"Wien besser als Neapel"

"Warum kommst du nicht nach Italien?", fragen Fernando immer wieder seine Mutter, sein Onkel und sein Bruder. Dort ist ihre Gemeinschaft wesentlich größer: Die rund 100.000 Sri Lankesen bevorzugen das wärmere italienische Klima und - wer Christ ist - die Nähe zum Vatikan. "In der Gegend, aus der ich komme, gibt es zu 80 Prozent Katholiken. Daher lebt mindestens ein Familienmitglied von ihnen in Italien. Und speziell die Süditaliener sind locker wie wir. Wenn ich in Italien bin, fühle ich mich wie in Sri Lanka." Dennoch schätzt Ruwan an Österreich, dass es "nicht so ernst wie Deutschland" ist und dass die Lebensqualität, die medizinische Versorgung und Sicherheit in Wien höher sind als in Neapel.

In Sri Lanka konnte der Bürgerkrieg 2009 nach fast 30 Jahren beendet werden. Er soll bis zu 100.000 Tote gefordert haben. Jetzt bemüht sich die Regierung in Kotte bei Colombo, das Image als Urlaubsdestination aufzupolieren. 2011 zählte man 750.000 Touristen. Bis 2016 sollen 2,6 Millionen Gäste kommen.