Zum Hauptinhalt springen

Kleine fördern, aber in Maßen

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

Felderer, IHS: Auf Budget achten. | Czerny, Wifo: Geld allein ist zu wenig. | Wien. Die Rolle der Kleinen ist groß. In Europa sind fast drei Viertel aller Arbeitnehmer in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) beschäftigt. Diese Betriebe zu fördern, sei deshalb richtig und volkswirtschaftlich wichtig, meinen Ökonomen. Allerdings müsse es dafür eine Grenze geben, sagte Bernhard Felderer, Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS) , am Donnerstag in einem Pressegespräch. Und diese liegt für Felderer bei weit unter 500 Mio. Euro. Man müsse die Kosten im Auge behalten. Schließlich gelte es, den EU-Defizitrahmen einzuhalten. "Ein einzelnes Paket, das 400 bis 500 Mio. Euro kosten würde, würden wir nicht befürworten", sagte Felderer.


Statt weitere Förderungen aufzustellen sollten die vorhandenen auf ihren Nutzen überprüft werden, meint das IHS.

Im vergangenen Jahr seien die heimischen KMUs mit 1,3 Mrd. Euro durch Steuerentlastungen indirekt gefördert worden (siehe Grafik) - direkte Fördermittel nicht einberechnet. Für das kommende Jahr sind 100 bis "maximal" 200 Mio. Euro an zusätzlichen Mitteln nach Ansicht von Felderer budgetmäßig verkraftbar.

Großer Nachholbedarf

"Mit 200 Mio. Euro kann man schon eine Menge machen", sagt Margarete Czerny, Expertin für Klein- und mittelständische Wirtschaft des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), zur "Wiener Zeitung". Einen "sehr großen Nachholbedarf" gebe es etwa in den Bereichen Gesundheit und Altenpflege. Allerdings: Geld allein reicht nicht. Czerny: "Es müssen auch Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit etwa legale Arbeitsverhältnisse attraktiv gemacht werden." Für welchen Weg sich die Regierung entscheidet, um KMUs zu unterstützen, wisse man noch nicht, sagte Felderer. Mehr als 20 Vorschläge seien vor zwei Wochen im Bundeskanzleramt deponiert worden, als Regierungsmitglieder und Ökonomen über Strategien zur Förderung der Klein- und Mittelbetriebe berieten. Die Ergebnisse werden für nächste Woche erwartet.