Zum Hauptinhalt springen

Kleine Gesten statt großer Effekte

Von Tamara Arthofer

Kommentare
Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 9 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Irgendwie muss man Christian Horner schon verstehen. "Ein bisschen langweilig" findet der Red-Bull-Teamchef die "depressive Fragerei" nach der Politik des Gastgeberlandes vor der Premiere der Formel 1 in Russland (Grand-Prix-Start am Sonntag, 13 Uhr MESZ). Ein Boykott, wie von manchen gefordert, würde niemandem nützen, vielleicht wäre er kontraproduktiv, sicher aber scheinheilig. Denn dass der Sport noch nie Probleme hatte, sich in demokratiepolitisch bedenklichen Regionen zu präsentieren, ist jetzt eigentlich eh nichts Neues; der Trend wird sich aus guten, vor allem finanziellen, Gründen noch verstärken. Gespielt, gefahren, gesportelt wird, wo noch jemand bereit ist, dafür zu zahlen. In Bernie Ecclestones Worten klingt das dann so: "Herr Putin hat uns enorm unterstützt, jetzt werden wir das Gleiche tun." Eine Hand wäscht schließlich die andere.

Sympathisch muss man das nicht finden, doch so ist das Geschäft.

Und dass Zeichen zu setzen nicht im Großen beginnt, mit unerfüllbaren Forderungen an Fahrer und Teams, sondern im Kleinen, zeigt der Marussia-Rennstall in einer ganz anderen Causa: Er verzichtet aus Respekt vor dem schwer verunfallten Jules Bianchi auf den Einsatz eines Ersatzfahrers. Mag sein, dass auch andere Gründe eine Rolle gespielt haben, dem Team soll es ja nicht allzu gut gehen. Doch es ist eine kleine Geste, die inmitten des sterilen, manchmal unmenschlich erscheinenden PS-Zirkus sympathisch wirkt. Marussia ist übrigens ein russischer Rennstall.