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Kleine Revolutionen

Von Christina Böck

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Man ist fast versucht, auch das Conchita Wurst zuzurechnen. Aber hat die bärtige Chanteuse wirklich eine weltumspannende Zauberkraft, die plötzliche gesellschaftliche Akzeptanz für Transgender in allerlei Bereichen aus dem Hut holt? Während nämlich diese Woche Conchita Wurst für Jean Paul Gaultier über den Laufsteg schwebte, passierte bei der Verkündung der Nominierten für den US-TV-Preis Emmy eine kleine Revolution. Zum ersten Mal in der Geschichte dieser Auszeichnung wurde eine Transgender-Schauspielerin nominiert. Laverne Cox, als Bub geboren, spielt in der (sehr empfehlenswerten) Frauengefängnis-Serie "Orange Is the New Black" Sophia - ihre Geschlechtsumwandlung hat sie mit Kreditkartenbetrug finanziert, und die Rechnung dafür ist nicht nur Gefängnis, sondern auch Entfremdung von ihrem Sohn. Diese Serie ist eine Comedy-Serie, schafft es aber, nicht nur bei diesem Thema ernsthafte Probleme nonchalant zu vermitteln. Und eigentlich hat die wirkliche Revolution bereits damit begonnen, dass die Produzenten die Rolle der Transgender mit einer Transgender besetzten. Bei der heurigen Oscar-Verleihung triumphierte ja noch Jared Leto, der für die Darstellung eines Transsexuellen in "Dallas Buyers Club" ausgezeichnet wurde. Das ist ein bisschen so, als ob man einen Hamster einen Hund spielen lässt, obwohl jede Menge Hunde das auch könnten. Als Aktivistin ist Laverne Cox übrigens schon aufgetreten, da hat Conchita Wurst erst begonnen, sich einen Bart stehen zu lassen. Aber man kann von der armen Wurst auch nicht verlangen, dass sie die Welt ganz allein rettet.