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Kleiner Markt mit großen Chancen

Von Sissi Eigruber

Europaarchiv

Unser neuer EU-Nachbar Slowenien ist mit 2 Millionen Einwohnern ein kleiner Markt. Warum er für österreichische Firmen dennoch interessant sein kann, und welche Hürden es für Unternehmer zu überwinden gibt, erläuterte der österreichische Handelsdelegierte für Slowenien, Georg Krauchenberg, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".


Nach den Großen drängen nun auch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Richtung Süden, und selbst in den westlichen Bundesländern Vorarlberg und Tirol sei das Interesse an Slowenien gestiegen, beschreibt Krauchenberg die Tendenz.

Vor- und Nachteile von Übergangsfristen

Obwohl der Markt in Slowenien klein ist, kann er für österreichische Firmen interessant sein, ist Krauchenberg überzeugt: "Slowenien hat hoch qualifiziertes Personal - zum Beispiel auch Facharbeiter - zu doch noch etwas geringeren Lohnkosten als in Österreich". Derzeit würden vor allem die grenznahen österreichischen Betriebe gerne slowenische Facharbeiter beschäftigen, was durch die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen aber nur beschränkt möglich ist. Daran wird sich durch die für die neuen EU-Nachbarn geltende Übergangsfrist von bis zu 7 Jahren bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit nicht viel ändern. Die Regelung soll verhindern, dass österreichische Arbeitnehmer durch kostengünstige Anbieter aus den neuen Mitgliedsstaaten verdrängt werden. Umgekehrt hat dies aber zur Folge, dass österreichische Betriebe, die auf slowenische Facharbeiter nicht verzichten wollen, ihren Standort überhaupt nach Slowenien verlegen oder einen zweiten Standort eröffnen.

International tätige Unternehmen, die in Slowenien Produktionsstätten haben, loben jedenfalls die hoch qualitative Arbeit in Slowenien. Ein Beispiele dafür ist Renault mit seiner Clio-Produktion in Novo Mesto. Auch Siemens Österreich ist in Slowenien aktiv und modernisiert in enger Zusammenarbeit mit der Slowenischen Bahn die Bahninfrastruktur. Im vergangen Jahr wurde u. a. die Signal- und Leittechnik auf der Teilstrecke Murska Sobota - Ormoz aufgebaut und erneuert. Bei Handys und Medizintechnik ist Siemens in Slowenien nach eigenen Angaben Marktführer.

Slowenien als Tor zu den Balkanländern?

"Slowenien ist kein Billiglohnland mehr, aber für uns ist es die Öffnung nach Süden", erläutert Krauchenberg. Vor allem Joint Ventures erweisen sich oft als sinnvolle Variante für eine Präsenz in Slowenien. Allerdings brauche man nicht nach Slowenien zu gehen, um den Balkan zu betreuen - "das können wir auch von Wien aus", meint Krauchenberg insbesondere im Hinblick auf Handelsaktivitäten. Außerdem ist Sloweniens Handel mehr auf die EU als auf das ehemalige Jugoslawien orientiert: Fast zwei Drittel der Importe und Exporte werden mit EU-Ländern abgewickelt - vor allem mit Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich, während die Handelsaktivitäten mit Bosnien sowie Serbien und Montenegro erst langsam wieder aufgebaut werden. Kroatien ist für Slowenien zwar das drittwichtigste Exportland - importiert wir aber wenig. Wer am Balkan aktiv werden will, sollte daher am besten in den Ländern direkt präsent sein.

Durch den EU-Beitritt am

1. Mai 2004 erwartet Krauchenberg eine weitere Belebung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und Slowenien: Die Zollformalitäten fallen weg - die Endkunden im Nachbarland können damit direkt, ohne lange Grenzaufenthalte, beliefert werden. Die Exporte von Österreich nach Slowenien sind im 1. Halbjahr 2003 im Vorjahresvergleich um 13,5% auf 775 Mill. Euro gestiegen, die Importe erhöhten sich im selben Zeitraum um 9,1% auf 418 Mill. Euro. Chancen im Export sieht Krauchenberg für österreichische Firmen insbesondere noch bei Lebensmitteln und bei Umwelttechnik.

Verwaltung und Justiz: Nicht korrupt, aber genau

560.000 Gerichtsverfahren (in einem Land mit rund 2 Millionen Einwohner) sind in Slowenien derzeit anhängig. Und die lange Dauer der Verfahren, die Belastung der Richter mit einfachen Verwaltungsaufgaben und die extensiven Einspruchsmöglichkeiten lassen den Rückstau kaum abschmelzen. "Eine einfache Forderung kann 7 Jahre dauern", nennt Krauchenberg ein Beispiel. Problematisch sei in Slowenien auch die Verwaltung. Diese sei zwar keineswegs korrupt, aber sehr genau und oft auch kompliziert. Es könne daher für ausländische Unternehmer in Slowenien äußerst schwierig sein, eine Betriebsgenehmigung oder andere Bewilligungen zu kommen.