Zum Hauptinhalt springen

Kleiner Teil der Mehrheit stimmte "Ja"

Von Barbara Ottawa

Politik

Wie die "Wiener Zeitung" bereits berichtete, hat die Regierung der kanadischen Provinz Britisch Kolumbien unter der Bevölkerung eine Volksabstimmung durchgeführt, ob in Verhandlungen mit der indigenen Bevölkerung eine härtere Gangart eingeschlagen werden solle. Nur etwa 36 Prozent der überwiegend weißen Bevölkerung haben die Fragebogen zurückgeschickt, dennoch sieht sich die Provinzregierung bestätigt.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Eine Frage im Referendum war, ob Indianernationen die gleiche Verwaltung wie Städte erhalten sollten. Das hätte bedeutet, dass etliche Entscheidungen von der Provinz gefällt worden wären. Bei 87 Prozent der eingelangten Stimmzettel war bei dieser Antwort "Ja" angekreuzt. Doch auch die Bundesregierung sprach sich vehement dagegen aus, denn das wäre gegen die Verfassung.

Die Provinzregierung ist froh über die mehr als 80 Prozent, die ihrem Kurs in den Verhandlungen mit Indigenen zugestimmt haben. Doch Unterstützer der Indianer und diese selbst weisen darauf hin, dass überhaupt nur 36 Prozent der Stimmzettel ausgefüllt wurden. Viele seien verbrannt oder an Unterstützergruppen gesandt worden.

Beinahe hätte das Referendum dazu geführt, dass die Indigenen den Verhandlungstisch verlassen, doch das Tauziehen um Landrechte geht weiter. Wie der Ausgang des Referendums die Verhandlungen beeinflussen wird, könne man noch nicht abschätzen, sagen sowohl Beobachter als auch Indianervertreter.

Die Shuswap-Indianer kämpfen unterdessen weiter für ihre Landrechte und gegen die Errichtung weiterer Skigebiete. Sie haben nun eine Broschüre herausgegeben, die - in englischer und deutscher Sprache - detailliert über ihre Anliegen und die Bergwelt in ihrer Heimat informiert.

Broschüre und nähere Informationen unter http://www.gfbv.at/akin.html

Selbstbestimmung mit Hindernissen

Auf Bundesebene erhitzt in Kanada unterdessen die Reform des sogenannten Indian Acts die Gemüter. Dieses über 100 Jahre alte Gesetz regelt die Verwaltung der Indigenen durch die Regierung - so etwa auch deren "Zivilisierung". Der Minister für Indianerangelegenheiten, Robert Nault, hat nun ein neues Gesetz vorgelegt. Dieses stößt jedoch bei den Indigenen nicht auf Gegenliebe, da es ohne ausreichende Beratung mit ihnen zustande gekommen sei. Die Assembly of First Nations (AFN) hatte abgestimmt, nicht mit Nault zu kooperieren, weil schon sein erster Vorschlag unakzeptabel gewesen sei.

Nur wenige bestreiten in Kanada, dass der alte Indian Act überholt ist, aber das neue Gesetz beinhalte noch immer die Ideen des Kolonialismus, sagt ein Chief. Des weiteren gewähre es nicht mehr Selbstbestimmung, sondern erhöhe die Kontrolle durch die Regierung.

Bei einer Versammlung von über 900 Chiefs vor zehn Tagen wurde ein eigener "First Nations Plan" ausgearbeitet, der vor allem das Recht zur Selbstverwaltung beinhaltet. Eine große Sorge der Indigenen ist, dass sie durch das neue Gesetz ihre erst 1982 in der Verfassung anerkannten Rechte wieder verlieren könnten.

Nault argumentiert, dass mit dem neuen Gesetz die Chiefs sich vor ihrem Volk verantworten müssen, was zu einer größeren Demokratisierung und somit zu mehr Selbstbestimmung führen werde. Weiters wolle er mit seinem Vorschlag den oft unter der Armutsgrenze lebenden Indigenen helfen, die wirtschaftliche Entwicklung anzukurbeln.