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Klemperer statt Geklimpere

Von Manfred A. Schmid

Kommentare

Es mag ja im Zuge der Wahlberichterstattung wirklich nicht immer leicht gewesen sein, eigene Emotionen und Erwartungen hintanzustellen und persönliche Enttäuschungen, Sympathien und Präferenzen

unterdrücken zu müssen. Aber hie und da ein fast unmerkliches Blitzen in den Augen, das ist so ziemlich alles, was sich ein "ZiB"-Moderator erlauben darf, will er das Gebot der unparteiischen

Objektivität nicht verletzen. Ingrid Thurnher war in ihrem Gespräch mit Tirols Landeshauptmann Weingartner in der "ZiB 2" am Mittwoch freilich nahe daran, die Grenze des Zuträglichen zu

überschreiten. Was · setzte sie zu einer Frage über mögliche Koalitionen nach Auszählung der Wahlkartenstimmen an · was wäre, wenn die ÖVP, "wie wir alle ho..." Ihren Fauxpas bemerkend, hielt

erschrocken inne und verhaspelte sich dann beim Versuch, den so verräterisch begonnenen Satz irgendwie doch noch zu Ende zu bringen. Das war knapp.

In ARD folgte dann um 23 Uhr eine hervorragende Dokumentation über den deutsch-jüdischen Romanisten Victor Klemperer, der sich in seinen Tagebüchern als aufmerksamer und kritischer Chronist des

Jahrhunderts entpuppt hat · eine Einstimmung auf das bevorstehende "TV-Ereignis des Jahres": Ab 12. Oktober strahlt die ARD jeweils dienstags und donnerstags um 20.15 Uhr die zwölfteilige Verfilmung

seines bewegten Lebens aus. "Klemperer · ein Leben in Deutschland", mit Matthias Habich in der Titelrolle, ist ein Pflichttermin!