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Klimapoker beendet, Asse nicht rechtzeitig ausgespielt

Von Markus Niedermair (WWF)

Gastkommentare

Der Klimapoker ist beendet. Statt die Einsätze in letzter Minute nochmals zu erhöhen, haben alle Nationen heute Morgen nur mehr resigniert einen Minimalbeschluss abgenickt, um nicht mit ganz leeren Händen nach Hause zu fahren. Dieses Gipfel-Ergebnis namens "Copenhagen Accord" bedeutet allerdings für die pazifischen Inselstaaten wie Tuvalu oder die Malediven den sicheren Untergang. | Klimagipfel - Minikompromiss angenommen


Die im Copenhagen-Accord aufgelisteten Klimaschutzversprechungen aller Nationen, darunter Brasilien, China, die EU-Staaten, Indien und die USA - werden in Summe zu 3-4 °C Erderwärmung führen. Damit verfehlt die Staatengemeinschaft klar ihr selbst gestecktes Ziel, die Erderwärmung unterhalb der gefährlichen 2-Grad-Grenze anzuhalten.

Eine der größten Enttäuschungen dieses Klimagipfels ist, dass in letzter Minute auch die mittelfristigen Klimaziele bis 2050 herausgefallen sind. Der formale Beschluss von 80 Prozent CO2-Einsparung weltweit bis 2050 war bereits Konsens beim G8-Gipfel im Sommer diesen Jahres und galt eigentlich als fixer Bestandteil eines neuen Weltklimavertrages. Diese Zahl als Wegweiser wäre für die Wirtschaft zur Entwicklung grüner Technologien vom Elektroauto bis zum Passivhaus von zentraler Bedeutung.

Gemessen am Hauptziel der CO2-Senkung ist dieser Gipfel eindeutig gescheitert. Was jedoch positiv zu vermerken gilt, ist das finanzielle Zugeständnis der Industrienationen, den Entwicklungsländern 100 Mrd. US$ für grüne Technologien und für Klimawandel-Anpassung zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Bereitschaft dokumentieren die Industrienationen die schreckliche Betroffenheit der ärmsten Nationen vom Klimawandel und erkennen diese formal an.

Die Staats- und Regierungschefs betrachten das Ergebnis von Kopenhagen als wichtigen ersten Schritt und sprechen die Dringlichkeit einer Fortsetzung der Verhandlungen in aller Deutlichkeit an. Weder Obama, noch Merkel und auch nicht Ban-ki-Moon versuchen, die Ergebnisse schön zu reden. Die nächste Station ist nun Mexiko. Bis dahin sind neben den Staatschefs aber auch die Klimaexperten aller Nationen aufgefordert, bei entscheidenden "Details" wie der Regulierung des Flugverkehrs oder bei den Regeln für den Stopp der Regenwaldzerstörung nachzubessern.

Wir werden als WWF auch in Mexiko vor Ort sein und hoffen, dass die weltweite Klimabewegung, die auf beeindruckende Weise hier in Kopenhagen ihren Anfang nahm, auch 2010 nicht abreißt. Das weltweite Interesse der Menschen am Klimaschutz und die Solidarität mit den Entwicklungsländern haben den Staatschefs gezeigt, dass die Zeiten der Bilanzierungs-Tricks und der langen Reden eindeutig vorbei sind.