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Klimapolitik: Japan will Vorbild sein

Von WZ-Korrespondent Martin Fritz

Politik

CO2-Ausstoß soll massiv reduziert werden. | Tokio. Japans künftige Regierung macht in der Klimapolitik Druck. 2020 wolle Japan 25 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als 1990, bekräftigte Katsuya Okada, Generalsekretär der Demokratischen Partei, die Mitte September die Amtsgeschäfte in Tokio übernimmt. Japan würde damit seine im Juni ausgegebene Zielvorgabe von acht Prozent Verringerung um das Dreifache erhöhen und sich im Klimaschutz international an die Spitze stellen. Die EU hat sich zu einer Minderung um 20 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990 bereit erklärt.


Jedoch plant Japan keinen Alleingang. "Die Voraussetzung ist ein internationales Abkommen, an dem sich auch Länder wie China und Indien beteiligen", betonte Okada. Bislang wollen viele Schwellenländer keinen Klimavertrag unterzeichnen, um ihr Wachstum nicht zu gefährden. Zur Rechtfertigung verweisen sie auf lasche Selbstverpflichtungen der Industrieländer. Mit der strengeren Zielvorgabe will Japan dieses Argument entkräften und dem neuen Klimavertrag, der im Dezember in Kopenhagen verhandelt wird, zum Durchbruch verhelfen. Das Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus.

In Tokio wird aber bezweifelt, ob Japan selbst solche hohen Ziele erreichen kann. Letztes Jahr wurden 16 Prozent mehr Treibhausgase als 1990 ausgestoßen, doch bis 2012 müssten es laut Kyoto-Vertrag sechs Prozent weniger sein. Das Bezugsjahr 1990 verlangt Japan besondere Anstrengungen ab, weil Industrie und Haushalte schon seit der Ölkrise Anfang der 1970er Jahre heftig Energie sparen. 1990 produzierte Japan ein Viertel weniger Treibhausgase je Einwohner als Deutschland. Japans Wirtschaft leistet daher Widerstand gegen noch strengere CO2-Vorschriften. Die Stahlindustrie zum Beispiel hält nur Einschnitte von zwei bis drei Prozent für möglich.